Jack Unterweger: Das ist mehr als bloß Stoff für True Crime. Bis heute hält der Serienmörder und "Häfenpoet" die Nachwelt in seinem Bann. 1990 kommt der verurteilte Frauenmörder, der sich im Gefängnis zum gefeierten Schriftsteller gewandelt hat, frei - auf Druck der Kulturszene. Jelinek, Grass, Jandl machen sich für ihn stark. Er gilt als rehabilitiert, wird in Wiens besserer Gesellschaft verehrt. Doch Unterweger mordet weiter. Elf Frauen verlieren ihr Leben. Wie gelang es ihm, die Menschen für sich zu vereinnahmen? Sie regelrecht zu verführen? Der deutsche Journalist und Autor Malte Herwig beleuchtet in "Austrian Psycho" den Fall aus einem neuen, unbekannten Blickwinkel: Er verwebt verbriefte Fakten, Gespräche mit Zeitzeugen und Unterwegers Aussagen zu einer dokumentarischen Erzählung - und entlarvt so die abgründige Faszination als das trickreiche Spiel des Serienkillers mit Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 03.02.2024
Mit großem Interesse liest Rezensent Mladen Gladic Malte Herwigs Buch über den Mörder Jack Unterweger. Dieser wurde in den frühen 70er Jahren wegen mehrerer Morde an Frauen verurteilt. Unterweger schrieb im Gefängnis eine Auto-Biographie, Gute-Nacht-Geschichten für Kinder und unterhielt Brieffreundschaften zu Schriftstellern, resümiert Gladic. Er kam vorzeitig frei, da Politik und Literaturbetrieb von seiner Läuterung ausgingen und auch weil prominente Literaten, unter anderem Elfriede Jelinek und Günter Grass eine Petition zu seinen Gunsten unterschrieben. Aber Unterweger mordete weiter, was zunächst niemand wahrhaben wollte, bis er grobe Fehler beging, fasst Gladic zusammen, letztendlich starb der Serienkiller durch eigene Hand im Gefängnis, lesen wir. Herwig konzentriert sich in seinem Buch vor allem auf eine skrupulöse Beweisführung zur Untermauerung seiner These, dass man die Morde hätte verhindern können, hätte der Literaturbetrieb nicht unbedingt an seiner Vision von Unterweger festhalten wollen. Dafür trägt er die Aussagen vieler Beteiligter zusammen, so der Kritiker, der dem Autor zustimmt, aber anmerkt, dass man vieles wohl doch auch erst im Nachhinein richtig beurteilen könne.
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