Die Herausgeber zitieren die Bibel und Robert Gernhardt, Grimms Märchen und Gerichtsakten, Ovid und Marie-Luise Scherer, Briefe, Tagebücher und Romane. Der Gebrauchswert eines solchen Expeditionsführers gleicht dem eines Bestimmungsbuches, wie es Pilzsammler verwenden. Schlimme Ehen ist ein Frühwarnsystem, das nicht der Abschreckung dient, sondern der Schadensbegrenzung. Es hat nicht nur den blassen Trost der Schadenfreude zu bieten. Ex negativo ist es auch eine heimliche Huldigung an alle Ehepaare, die alle Prüfungen bestehen und alle Fallen meiden, von denen dieses Hochzeitsbuch handelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2001
Eheleid und Eheglück liegen nicht nur im Leben sehr nah beieinander, sondern auch in den beiden von Bruno Steiger besprochenen "Ehebüchern". Während jedoch der Sammelband "Schlimme Ehen" ganz und gar nichts Gutes verheißt, ist es in Mathias Schröders Roman "Sinai" der unerwartete Zufall, der die "Schlimmheit" in die glückliche Ehe trägt, so der Rezensent.
1.) Koch/Overath (Hrsg.): "Schlimme Ehen" (Eichborn)
Der Sammelband enthält nach Steiger eine sorgfältig zusammengetragene Auswahl schlechter Ehen der Weltliteratur. Die Texte machen dabei erwartungsgemäß weniger "Lust" auf die Ehe als auf die Lektüre der auszugsweise angeführten Texte aus "verschiedenen literarischen Epochen". Als besondere Entdeckung hebt dabei der Rezensent den Briefwechsel zwischen Bettina (geb. Brentano) und Achim von Arnim hervor sowie ein befremdliches Eheritual im Text von Dacia Maraini. Alles in allem ein "schön editierter Band", der allerdings "vielleicht zu viele Autoren mit jedenfalls zu kurzen Textbeispielen" bietet.
2.) Mathias Schröder: "Sinai" (Matthes & Seitz)
Eine zunächst "geradezu fabelhaft ideale Ehe" erwartet den Leser hier, so der Rezensent. Am Anfang stehe das "nicht ohne liebevolle Distanz geschilderte Münchner Alltagsidyll". Das Unglück - ein Hirninfarkt der Frau - bricht im Urlaub über diese Gemeinschaft herein. Was danach kommt, bleibt im Dunkeln. So die kurze und knappe Zusammenfassung des Rezensenten, der trotz des trivial erscheinenden Plots dem Buch eine "Authentizität" bescheinigt, die der Kolportage keine Chance gebe. Dies führt er nicht zuletzt auf die "spröde und einfühlsame Sprache" des Autors zurück. Mehr sagt der Rezensent nicht, und wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass auch in der Rezension einiges im Dunkeln geblieben ist.
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