Manfred Sommer

Von der Bildfläche

Eine Archäologie der Lineatur
Cover: Von der Bildfläche
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518745168
Gebunden, 544 Seiten, 32,99 EUR

Klappentext

Was haben Dürers "Der Zeichner des liegenden Weibes", ein Fenster in einem Büroturm und ein Poncho gemeinsam? Auf den ersten Blick so gut wie nichts, auf den zweiten jedoch etwas sehr Grundlegendes, das zudem allgegenwärtig ist: rechteckige Flächen. Unsere Welt ist voll von ihnen, aber weder die Natur noch unsere Einbildungskraft bringen sie hervor. Ausgehend von der Bildfläche, dem unsichtbaren Grund, der es Farbe und Linie gestattet, zum Bild zu werden, erkundet Manfred Sommer diese so elementare wie diskrete Figuration und damit zusammenhängende Phänomene wie Grenze und Saum, Rand und Rahmen, Gitter und Karos, Raster und Pixel. Er beschreibt ihre Genese, die in der Jungsteinzeit beginnt: Rechteckig werden hier erstmals Felder gepflügt, später Häuser gebaut und Stoffe gewoben - und die Bilder wandern aus den Höhlen an die weißen Wände, um dort mit dem offenen Fenster um den schönsten Blick zu konkurrieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2016

Mit großem Interesse hat Rezensent Carlos Spoerhase Manfred Sommers Studie "Von der Bildfläche" gelesen, auch wenn er einige Einwände hat. Zwar kann der Kritiker Sommers gestaltgeschichtlichen Ausführungen über die "Herrschaft rechteckiger Flächen" gut folgen und liest durchaus interessiert, wie der Autor in der Jungsteinzeit den Kern des Verfahrens der Rektangularisierung als Ursprung für Bildgestaltung, Schriftsprache und Flächenberechnung ausmacht. Allerdings zweifelt der Rezensent nicht nur an der von Sommer attestierten "apriorischen Valenz" des jungsteinzeitlichen Verfahrens, sondern vermisst auch Überlegungen zum sozialen Prozess der Rektangularisierung. Auch wenn Spoerhase dem universalen Erklärungsanspruch Sommers nicht zustimmen kann, hat er insbesondere seine Phänomenologie der rechteckigen Fläche mit Gewinn gelesen.

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