Verbrecher Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783957326584 Gebunden, 188 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
"Da stand Mimi Schulz also am Ufer des Lake Mendota und rauchte ihre Zigarette 'down to the filter'. Die Oberfläche des zugefrorenen Sees lag matt in der Märzsonne. Grau in blau in grau. Einbeinig schüttelte ein Erpel seinen grünglänzenden Kopf.Eine rotbäuchige Wanderdrossel sang im schwindenden Licht des Tages ein Lied, dessen Töne mit der Sonne zu sinken schienen. Als durchschnitten die wachsenden Schatten jedem Dur den Hals. "Mimi Schulz, die Protagonistin aus Präkels' Roman "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß", ist immer dabei. Als staunender Geist begleitet sie ihre Autorin auf Lesereisen in ostdeutsche Kleinstädte, nach Griechenland, Italien und ins ferne Minnesota. Andere bleiben unterwegs zurück. Rani, Arash und Sohra zum Beispiel, die nach den Schulferien einfach weg sind, als wären sie nie dagewesen. Oder der Büderich, der es zu weit getrieben hatte, und Lutz, der auf seinem Weg ins "Land der Freiheit" im Frankfurter Bahnhofsviertel verlorenging. Und dann ist da noch Ingo, ohne dessen gewaltsamen Tod es Mimi Schulz vielleicht nie gegeben hätte. Der sitzt plötzlich wieder mit am Kneipentisch und möchte sein Gesicht zurück. Manja Präkels erzählt von Menschen, die Figuren wurden, und Figuren, die man nicht mehr loswird.
Rezensentin Angela Gutzeit lernt mit den Essays und Reflexionen der Autorin und Aktivistin Manja Präkels ostdeutsche Verhältnisse besser kennen. Die Kritikerin sieht die Textsammlung, ergänzt von Fotos der Autorin, als ein Resümee ihres bisherigen Schaffens. So taucht Heldin und Alter-Ego der Autorin Mimi Schulz wieder auf, außerdem drehen sich die Texte um den Mord an ihrem Freund Ingo Ludwig, zu Tode geprügelt durch ostdeutsche Nazis im Jahr 1992. Es geht um rechte Gewalt, Wegschauen, Schweigen und Engagement, alles erlebt und bezeugt von Präkel selbst, die in den Texten laut Gutzeit auch mögliche Gründe benennt für den Hass und den Mangel an Empathie, den die Autorin erlebt hat in Zehdenick und Triebsee. Für Gutzeit eine beeindruckende wie bedrückende Lektüre.
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