Katja Riemann

Nebel und Feuer

Roman
Cover: Nebel und Feuer
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103975895
Gebunden, 304 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Die Musikerin Johaenne steht auf ihrem Fenstersims im fünften Stock, und der Friedhof ist praktischerweise nebenan. Der Mann ist aus ihrem Leben verschwunden, aber die Liebe zu ihm ist geblieben. Sie begreift, dass sie keine Selbstmörderin ist. Tastend setzt sie ihre Schritte in ein neues Leben.Aber die Welt ist aus den Fugen: Ein Nebel bedeckt die halbe Welt, Feuersbrünste und Heuschreckenschwärme wüten. Aus Berlin flieht Johaenne in ein Haus auf dem Land, abgeschnitten von allen Informationen. Hinzu stoßen ihre neuen Freundinnen Jamal und Shenmi, die Pianistin Ayo und ein Hündchen. Während der Nebel das Haus umhüllt, klären die vier Frauen für sich die Verhältnisse. Gegen eine Welt, in der alles verschwindet, setzen sie Solidarität und Liebe, gegen die Ohnmacht den Willen, sich zu behaupten und sichtbar zu sein. Und Johaenne erkennt, dass sie sich erlauben muss, glücklich zu sein. Und zu leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.05.2025

Schöne Ansätze gibt es in diesem Buch, konstatiert Rezensent Harald Hordych, allein, zu einem guten Roman fügen sie sich am Ende nicht. Katja Riemann schreibt hier über Frauen, die Probleme mit Männern haben, aber doch nicht von ihnen lassen können, gleich zu Beginn lernen wir die Hauptfigur Johaenne kennen, sie steht, frisch verlassen, nackt auf dem Balkongelände, springt dann aber doch nicht. Sondern schwätzt sich, schildert Hordych, im Folgenden zurück ins Leben. Schnoddrig und kurz angebunden, lesen wir weiter, sind die Sätze in diesem Buch, das neben Johaenne noch drei andere Frauen versammelt, die von Männern unterdrückt, auch geschlagen wurden und nun im gemeinsamen Gespräch herauszufinden versuchen, was zu tun ist. So weit, so durchaus interessant, meint Hordych, die Apokalypse, die um die vier herum ausbricht, bleibt jedoch in Klischees stecken und allgemein wirken viele Gedanken und auch der Plot etwas beliebig, irgendwann wird auch noch ein Hund von der Straße aufgelesen, weil warum nicht. So verliert sich der Rezensent etwas in diesen halbgaren Assoziationen, obwohl er sich durchaus gerne von Riemann etwas über die Probleme der Gattung Mann hätte erklären lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.05.2025

Durchaus gern liest Cornelia Geißler Katja Riemanns Roman. Dessen Hauptfigur Johaenne schwebt an dessen Anfang, fasst Geißler zusammen, 17 Meter über dem Boden, später wird sie jedoch zu einer geerdeten, empathiefähigen Hauptfigur, die diversen Schwierigkeiten in Würde zu begegnen versteht. Handlungsorte sind Berlin sowie ein ausgedachtes Brandenburger Nest, außerdem scheint die Geschichte gleichzeitig in der Gegenwart und in einer dystopisch verformten Welt angesiedelt zu sein - während die Musikerin Johaenne und drei weitere Frauen sich in Brandenburg in einen Bungalow zurückziehen, bricht in Berlin die soziale Ordnung zusammen, außerdem wird die Welt von einem anschaulich beschriebenen Nebel heimgesucht, der mehrere Ursachen zu haben scheint. Dass eine Schauspielerin wie Riemann zur Romanautorin wird, leuchtet der Rezensentin ein, da auch die neue Berufung mit Sprache zu tun hat, und auch wenn das vorliegende Buch hier und da zu thesenhaft geraten ist, etwa wenn Riemann Verweise auf die Flüchtlingskrise einstreut, fällt die Besprechung insgesamt positiv aus.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.04.2025

Wo ein Wille ist, ist nicht immer auch ein Weg, beweist Katja Riemann mit ihrem Romandebüt, und falls da doch mal einer war - ein gangbarer Weg, ein stringenter Plot, eine kohärente Handlung - dann hat die Schauspielerin und Nun-auch-Autorin ihn verfehlt und zwar weit, ärgert sich Rezensent Carsten Hueck. Ihr Wille dagegen ist offensichtlich: zur exaltierten Form, zu originellen Ideen, Bildern und Erkenntnissen und zu überraschenden - um nicht zu sagen willkürlichen - Wendungen. Doch weder die Handlung, noch der Stil oder das Thema bilden irgendeine Art von konsistenter Einheit. Riemann, so seufzt der Rezensent, "verwurstet alles mit allem": Banales mit Transzendentalem, Dystopie und Surrealismus, Dialog, Monolog und Erzählung in der dritten Person, Kulturkritik und "schnoddriges Gelaber", Suizidgedanken, eine Trennung, Queerness, Feminismus, Männer, Musik, Politik, Hong Kong und Tarot. Riemann hat Fantasie und Ambitionen, das kann man ihr lassen, doch ob die in der literarischen Fiktion so gut aufgehoben sind, daran scheint der Rezensent zu zweifeln.

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