Manuela Reichart hört und schaut in der Fremde genau hin und kommt mit den Leuten in Kontakt. Da ist der ehemals erfolgreiche Mann, der sich zurückziehen musste und nun in seinem Palazzo Ferienwohnungen verwaltet - im Trainingsanzug. Da sind die beiden nicht mehr jungen Freundinnen, die sich jährlich Luxusferien gönnen, die eine immer in der Hoffnung, einen Mann für den kleinen Urlaubsflirt zu finden, was der anderen nur ein mildes Lächeln entlockt. Oder der Taxifahrer, der in einer aufregenden Fahrt gleich die ganze Karriereplanung für seine Kinder bekanntgibt. Manuela Reichart öffnet kleine Fenster und zeichnet in knappen Strichen, was dahinter zu entdecken ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2015
Dieses kleine Büchlein über die flüchtigen Begegnungen mit Menschen in den Transiträumen auf Reisen ist selbst ein idealer Reisebegleiter, freut sich Rezensentin Marion Löhndorf. Bei nahezu allen hier verssammelten Geschichten handelt es sich um Monologe, die wie Momentaufnahmen angelegt sind. Die Autorin entfaltet die Figuren zwar nicht in epischer Breite, doch legt sie mittels der jeweils gewählten Sprache eifrig Fährten, denen die Rezensentin mit großem literarischen Vergnügen nachgeht: Mal zeichnen sich "die Konturen von Lebenslügen" ab, zuweilen ist das Ergebnis auch "leise komisch". Das funktioniert auch deshalb so gut, meint Löhndorf, weil die Geschichten auch zarte Verbindungen untereinander unterhalten, weshalb sie auch eine Hörspielbearbeitung des Bandes empfiehlt.
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