Marc Buhl erzählt lakonisch und mit großem Gespür für die unfreiwillige Komik aller Menschheitsbeglücker die Geschichte eines frühen Aussteigers, der auf einer deutschen Kolonialinsel in der Südsee einen Sonnenorden gründet. Nein, so einen kann man nicht töten, sagen die Eingeborenen, als sie den seltsamen Bleichling die Palmenstämme herunterrutschen sehen. Der nackte Mann nährt seinen zerschundenen Körper ausschließlich von Kokosnüssen und hat sich am Strand eine schiefe Hütte aus Büchern gebaut. Niemand kann den ausgemergelten Glückssucher vertreiben, nicht der Pfarrer der kleinen Kolonie auf Deutsch-Neuguinea, nicht der Monsunregen, nicht die Myriaden Moskitos und nicht die Pfeile der Insulaner - denn August Engelhardt aus dem kalt-nebligen Nürnberg hat in der Südsee den Sinn des Lebens gefunden und seinen heiligen Gral und Jungbrunnen: die Kokosnuss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2011
Marc Buhl hat dem Nudisten, Lebensreformer und Kokosnussverehrer August Engelhardt mit diesem Roman ein würdiges Denkmal gesetzt, urteilt Rezensent Martin Halter. Der aus Nürnberg stammende Engelhardt lässt sich auf einer Südseeinsel nieder, wo er dem Sonnenbaden, der Nacktheit, der freien Liebe und dem ausschließlichen Konsum von Kokosnüssen frönt, berichtet Halter. Bei Marc Buhl lebt er in einer Hütte aus Büchern "und erlebt das Verschimmeln von Goethe und Novalis, Ibsen und Karl May als Befreiung", amüsiert sich der Rezensent. Außerdem verscharre er eine kleine Gemeinde ebenso skurriler Gestalten um sich, wie er selbst eine ist. Die Diskrepanzen zwischen Historie und Romanhandlung heißt Halter dabei ausdrücklich gut. Generell ist die Kritik der Meinung, dass Buhl hier zu einem ausdrucksstarken und "souveränen" Erzählstil gefunden habe, den seine vorangegangen Werke noch missen lassen. Schließlich gefällt Halter auch die Tatsache, dass Engelhardt trotz all seiner Spleens mit Respekt behandelt wird, als "Ikarus der Utopie, dem eine unbarmherzige Sonne Kopf und Flügel verbrennt".
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