Maria Virchovs Gelb hat einen dunklen Ton. Glanz und Geifer, Edles und Ekles fließen ineinander. In ihren Punk-Märchen hegen die Meerjungfrauen Suizid-Absichten und den Engeln, diesen Vandalen-Insekten, wird mit Chlor der Garaus gemacht. Aber bei aller Weltverachtung,Todessehnsucht und auch Derbheit ist diese Poesie von einer großen Liebe getragen, die allen Kreaturen und der Erde Gutes will. Bulgarisch-russischsprachig aufgewachsen, mit ukrainisch-kasachischen Wurzeln, mischen sich schon in Maria Virchovs Biografie (1969-2011) die Sprachtöne und die Traditionen, gehen Neoavantgarde und Postmoderne eine seltene Symbiose ein. Die Wucht und die Wut ihrer Gedichte, geboren aus den anarchisch-utopischen 1990erJahren, erinnern uns heute, angesichts von Krieg und neuem Autoritarismus in Europa, an die Geschichte, wie sie hätte sein können.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.11.2025
Rezensent Nico Bleutge liest den Debütband der 2011 gestorbenen bulgarischen Dichterin Maria Virchow mit Interesse. Virchows dunkle "Poesie der Vergänglichkeit" mit ihrer Märchen- und Todesmotivik hat es ihm angetan. Spürbar sind für ihn in den Gedichten Virchows rebellischer Geist aus dem Punk und ihre Sprachlust, etwa wenn sie Rimbaud mit Goya kurzschließt und den Rhythmus beschleunigt. Klingt manchmal wie Slam Poetry, findet Bleutge, dem auch der "anti-imperialistische Impuls" nicht entgeht. Die "grellen" Bilder der von Henrike Schmidt "raffiniert" übertragenen Texte werden laut Bleutge von den Illustrationen von Gaby Bergmann gut gespiegelt.
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