Niklaus Meienberg erfand die Reportage neu. Er recherchierte nicht nur hartnäckig und genau, durch die Kraft seiner Sprache wurden seine Berichte über die Wirklichkeit zu Literatur. Und wie Heine und Tucholsky, mit denen er oft verglichen wurde, mochte er dabei häufig nicht auf Polemik und Satire verzichten. Die Geschichte seines Lebens lässt jetzt verstehen, wie sein Werk entstanden ist: Wie kein Zweiter hat sich Niklaus Meienberg der Öffentlichkeit ausgesetzt und seine Person in seine Texte eingebracht, der Journalist tritt als Zeuge auf. Erlebnisse beim Recherchieren oder aus der Kindheit werden eingeflochten, der Journalist tritt als Zeuge auf, als Niklaus Meienberg nennt er alle und alles beim Namen, und als Niklaus Meienberg steht er für seine Texte ein. Sie erhielten so eine spezifische Mischung aus radikaler Subjektivität und unbestechlicher Objektivität.
In einer Doppelrezension bespricht Benedikt Erenz die Reportagenbände des österreichischen Journalisten Niklaus Meienberg und eine Biografie Meienbergs von Marianne Fehr.
1) Niklaus Meienberg: "Reportagen". Band 1 und 2
Geradezu ehrfürchtig besingt Erenz die Reportagen Meienbergs und kann gar nicht aufhören, preisende Attribute anzuhäufen, um die Texte gebührend zu würdigen. Seine Stadtbeschreibungen seien genauso "hinreißend" wie seine historischen Reportagen, aus den journalistischen Arbeiten des Autors könne man mehr lernen als aus jedem Journalistikstudium, schwärmt begeistert der Rezensent und schlägt vor, als Einsparungsmaßnahme statt dem Besuch einer Journalistenschule einfach diese beiden Bände zu erwerben.
2) Marianne Fehr: "Meienberg"
Fehrs Biografie widmet Erenz zwar wenige, aber nicht minder lobende Worte. Eine "exzellente Biografie" habe Fehr geschrieben, die in ihrer Vielschichtigkeit den Facetten der Person Meienbergs gerecht werde. Die Autorin verbinde "Psychogramm und Zeitgemälde" und das Buch sei damit eine ideale Ergänzung zu den Reportagebänden, preist der Rezensent.
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