Frederick Taylor

Der Krieg, den keiner wollte

Briten und Deutsche: Eine andere Geschichte des Jahres 1939
Cover: Der Krieg, den keiner wollte
Siedler Verlag, München 2019
ISBN 9783827501134
Gebunden, 432 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Heide Lutosch. Sommer 1939: Zwanzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs steht Europa erneut am Abgrund. Die Diplomatie hat versagt, die Militärs haben aufgerüstet, was aber denken und fühlen die Menschen in Deutschland und in England? Frederick Taylor hat unzählige Quellen ausgewertet, Zeitzeugen interviewt und private Dokumente erschlossen - und zeichnet so ein eindrückliches Bild der Gefühlslage in beiden Völkern. Er verwebt große Politik und persönliche Schicksale und verleiht den einfachen Bürgern eine Stimme. Dabei erweist sich, dass vielfach eine Kriegsmüdigkeit herrschte, die die Menschen dazu brachte, die Augen vor der Realität zu schließen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2019

Rezensent Andreas Fahrmeir empfiehlt zum Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs Frederick Taylors "andere Geschichte des Jahres 1939". Anhand von Zeitungen, Tagebüchern, Stimmungsbildern und Erinnerungen kann ihm der Historiker den Alltag in Deutschland und Großbritannien kurz vor Kriegsbeginn anekdoten- und kenntnisreich veranschaulichen, dabei mit Blick auf die unübersichtlichen politischen Verhältnisse und die nur teils überwundene Wirtschaftskrise Analogien zur Gegenwart ziehend. Wie sich die Kriegsvorbereitungen auf Fernsehen, Kinoprogramm oder Urlaubsreisen in beiden Ländern auswirkten, liest der Rezensent hier ebenso nach, wie er in dem alltags- und sozialhistorische Perspektiven verbindenden und seiner Meinung nach flüssig geschriebenen Buch auch die unterschiedlichen Entwicklungen in Deutschland und Großbritannien kennenlernt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2019

Gefesselt verfolgt Rezensent Cord Aschenbrenner, wie der britische Historiker Frederick Taylor Deutschland und Britannien im Jahr 1939 in den Blick nimmt. Mit Hilfe von Zeitungsberichten, Tagebüchern und Erinnerungen entwirft er ein facettenreiches Bild auf zwei Gesellschaften am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Die Unterschiede sind natürlich gewaltig, Deutschland diktatorisch-militaristisch regiert, Britannien demokratisch, aber die Gemeinsamkeiten findet Aschenbrenner frappierend: Der Wille zur Normalität, den beide Bevölkerungen behaupteten, der Glaube, die Lage werde sich schon wieder beruhigen. Beim Blick auf 1939 kommt dem Leser die ungut Gegenwart in den Sinn.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.08.2019

Carsten Hueck stellt erschrocken fest, dass er mitunter vergisst, dass Frederick Taylor in seinem Buch ja über den Vorabend des Zweiten Weltkriegs schreibt, nicht über die Gegenwart. Derart lebendig lässt der Historiker die Quellen sprechen, Tagebücher, Zeitungen, das Fernsehen, Reden, Briefe, die Politik, das Militär, die Arbeiterschaft, den Stammtisch und das Kino. Das letzte Jahr vor dem Krieg wird aus Sicht des Normalbürgers vielstimmig erlebbar, viel besser als bei Florian Illies oder Nicholson Baker, meint Hueck. Eine überzeugende Collage, so Hueck, und ein Stimmungsbild der Zeit, das erkennen lässt, wie Hitlers Propaganda wirkte.

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