Das Innere einer Person, auch den Geist und die Seele, mores animumque darzustellen, gehörte zu den ersten und wichtigsten Zielen frühneuzeitlicher Malerei. Dieses Bestreben zog in manchen individuellen Bildnissen allerdings einen Subjektentwurf nach sich, der sowohl den modernen Vorstellungen von Männlichkeit in der Renaissance widerspricht als auch den frühneuzeitlichen Normenkanon der Geschlechter zu verletzen scheint. Der vorliegende Band ist der Untersuchung dieses bemerkenswerten männlichen Subjektentwurfs in der venezianischen Porträtmalerei von Giorgione über Palma il Vecchio bis Tizian gewidmet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2008
Mit Gewinn hat Christine Tauber diese Dissertation über Männerporträts in der venezianischen Malerei des frühen 16. Jahrhunderts gelesen. "Argumentativ konzise und sprachlich souverän" untersucht die Autorin Marianne Koos darin die Darstellung des Begehrens. Dieses sei ein zweifaches, erklärt die Rezensentin: Die Jünglinge auf den Bildern erscheinen allesamt beseelt, versunken, verinnerlicht - mit anderen Worten: schmachtend; andererseits wecken sie in ihrer Sinnlichkeit und luxuriösen Ausstattung das Begehren des Betrachters. Dies führe die Autorin vor dem Hintergrund aus, dass Venedig nach 1500 die Metropole einer solchen Innerlichkeit gewesen sei und sich damit diametral dem von Jacob Burckhardt postulierten Bild des "stolzen, intellektuellen und charakterlich harten" Renaissancemenschen widersetzt. Nur an einigen Stellen findet die Rezensentin, dass Koos theoretisch zu dick auftrage: "Begehren kann man getrost auch mal ohne Lacan."
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