Klappentext
Mario Biagioli schildert in seinem Buch, wie geschickt und listenreich Galilei die höfische Kultur für seine Zwecke zu nutzen wußte, selbst wenn er in letzter Instanz - dem Inquisitionsprozeß von 1633 - damit kein Glück hatte. Dabei entsteht ein detailreiches Bild der Auseinandersetzungen um Galilei auf der Bühne der höfischen Kultur im 17. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Jürgen Kaube bespricht das Buch zusammen mit Dava Sobels "Galileos Tochter".
1) Dava Sobel: "Galileos Tochter" (Berlin Verlag)
Galileo, so schreibt Kaube eingangs, sei das Leitbild eines Wissenschaftsmythos vom Naturwissenschaftler, der Licht in ein selbstverschuldetes Dunkel bringt. Einem solchen "Ursprungsheros" könne man sich heute nur noch auf zweierlei Weise nähern: indem man ihm entweder einen neuen Dreh gibt oder ihn aufklärt. Mit Sobel ist Kaube in dieser Hinsicht nicht zufrieden, denn sie tut für ihn weder das eine noch das andere. Einerseits bekennt Kaube, ihr "flüssig vorgetragenes" Buch durchaus gerne und mit Gewinn gelesen zu haben, andererseits stimmt es ihn als eine Art Romanbiografie in der Tradition Stefan Zweigs eher skeptisch. Kaube stört, dass das Buch "menschelt". Dass Sobel die Briefe von Galileos Tochter auswertet, begrüßt er jedoch wegen des kulturgeschichtlichen Hintergrunds, der sich so ergibt. Aber schwach wird das Buch seiner Meinung nach, wenn es Galileos Auseinandersetzungen mit Kirche schildert. Hier werde Galileo mal wieder als bloßes "Opfer seiner Zeit" dargestellt.
2) Mario Biagioli: "Galileo, der Höfling"
Ein ganz anderes Niveau hat für Kaube das Buch des Wissenschaftshistorikers aus Harvard. Kaube zeichnet nach, wie Biagioli die Bedingungen darstellt, unter denen Galileo forschte. Er lebte in einer höfischen Welt, musste sich also "Patrone" - die Medici-Familie - suchen, die sich die Forscher wie andere Fürsten der Epoche auch als Zierde und Prestige des Hofs hielten - und als Entertainer für abendlichen Denksport. Als Galileo beim Papst Urban VIII. die kopernikanische Lehre rehabilitieren will, täuscht er sich unter anderem auch im höfischen Spiel. Biagioli, so Kaube, gelinge "das Beste", was Geschichte könne: nämlich zeigen, was uns von der beschriebenen Zeit trennt.
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