Klappentext
Galileo Galileis Tochter Celeste war nicht nur das geliebte Kind des großen Wissenschaftlers, Philosophen und Schriftstellers, sie war auch eine kluge Ratgeberin, eine Begleiterin seiner wissenschaftlichen Überlegungen und eine wunderbare Briefpartnerin. Galileo, der das christliche Dogma wie kein zweiter erschütterte, war ironischerweise ein tiefgläubiger Christ, der seine Tochter in ein Kloster gab. 104 Briefe der Tochter, leider nicht die des Vaters, sind erhalten, und aus ihnen spricht nicht nur die Liebe zwischen Tochter und Vater, sondern auch die Klugheit und der praktische Verstand Maria Celestes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Jürgen Kaube bespricht das Buch zusammen mit Dava Sobels "Galileos Tochter".
1) Dava Sobel: "Galileos Tochter" (Berlin Verlag)
Galileo, so schreibt Kaube eingangs, sei das Leitbild eines
Wissenschaftsmythos vom Naturwissenschaftler, der Licht in ein
selbstverschuldetes Dunkel bringt. Einem solchen "Ursprungsheros" könne
man sich heute nur noch auf zweierlei Weise nähern: indem man ihm
entweder einen neuen Dreh gibt oder ihn aufklärt. Mit Sobel ist Kaube in
dieser Hinsicht nicht zufrieden, denn sie tut für ihn weder das eine
noch das andere. Einerseits bekennt Kaube, ihr "flüssig vorgetragenes"
Buch durchaus gerne und mit Gewinn gelesen zu haben, andererseits stimmt
es ihn als eine Art Romanbiografie in der Tradition Stefan Zweigs eher
skeptisch. Kaube stört, dass das Buch "menschelt". Dass Sobel die Briefe
von Galileos Tochter auswertet, begrüßt er jedoch wegen des
kulturgeschichtlichen Hintergrunds, der sich so ergibt. Aber schwach
wird das Buch seiner Meinung nach, wenn es Galileos Auseinandersetzungen
mit Kirche schildert. Hier werde Galileo mal wieder als bloßes "Opfer
seiner Zeit" dargestellt.
2) Mario Biagioli: "Galileo, der Höfling"
Ein ganz anderes Niveau hat für Kaube das Buch des
Wissenschaftshistorikers aus Harvard. Kaube zeichnet nach, wie Biagioli
die Bedingungen darstellt, unter denen Galileo forschte. Er lebte in
einer höfischen Welt, musste sich also "Patrone" - die Medici-Familie -
suchen, die sich die Forscher wie andere Fürsten der Epoche auch als
Zierde und Prestige des Hofs hielten - und als Entertainer für
abendlichen Denksport. Als Galileo beim Papst Urban VIII. die
kopernikanische Lehre rehabilitieren will, täuscht er sich unter anderem
auch im höfischen Spiel. Biagioli, so Kaube, gelinge "das Beste", was
Geschichte könne: nämlich zeigen, was uns von der beschriebenen Zeit
trennt.
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