So vielfältig die Sichtweisen auf Leipzig als Buchstadt sind, so vielfältig sind die Argumente, mit denen sie heute als solche entweder totgesagt, als weiterhin lebendig oder im Wandel begriffen wird. Unbestreitbar ist, dass die glanzvolle Buchstadt im letzten Jahrhundert einen enormen Bedeutungsverlust erfuhr, der sich nicht nur in der Zerstörung der buchhändlerischen Infrastruktur im Zweiten Weltkrieg und der anschließenden Abwanderung der Fachkräfte nach Westdeutschland äußerte. Auch die Wirtschafts- und Kulturpolitik der DDR forcierte das weitere Ausbluten insbesondere auf Verlagsebene. Am Ende der DDR waren von einer einst so blühenden Leipziger Verlagslandschaft nur noch 32 Verlage übrig, immerhin fast die Hälfte aller offiziell 78 DDR-Verlage. Diese Verlage waren jedoch umso stärker im kulturellen Gedächtnis der Buchstadt Leipzig verwurzelt. Heute, 20 Jahre nach der politischen Wende, scheint von den Verlagen der ehemaligen DDR wenig übrig geblieben zu sein. Die Studie untersucht, welche Auswirkungen die einschneidenden Entwicklungen nach 1989 auf die Leipziger Verlagslandschaft hatten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2010
Mitunter grämt sich der Rezensent doch sehr über die trockenen und zudem häufig über Gebühr detailreichen Ausführungen von Mario Gäbler zum Niedergang der Leipziger Verlagswelt. Zwar erfährt Frank Pergande, welch nicht zu unterschätzende Rolle die Treuhand in dieser Schicksalsgeschichte spielte, und wann und wie der eigentliche Niedergang begann (nicht mit der Auflösung, sondern mit der Geburt der DDR und den Parallelverlagsgründungen im Osten). So groß kann Pergande den Verlust aber nicht finden. An dieser Stelle erinnert er uns an die Zensur und die Chimäre vom Leseland DDR. Einzig der "traurige Zustand" der im Band abgebildeten Verlagsgebäude rührt ihn ein wenig.
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