Als Kind entkam er dem Massaker am Kaiserhofe, später studierte er Philosophie und ließ sich in Mysterienkulte einweihen, als Feldherr und Kaiser bewies er erstaunliche Tatkraft. Das Bild, das lange Zeit von Julian (331-363 n. Chr.), dem Neffen von Kaiser Konstantin d. Gr., gezeichnet wurde, war das eines Herrschers, der das Rad der Geschichte zurückdrehen wollte, indem er die heidnischen Kulte wiederzubeleben versuchte. Marion Giebel zeigt in ihrer Biografie auch die anderen Facetten dieser faszinierenden Persönlichkeit: der feinsinnige Literat, der philosophisch gebildete Kaiser, der das Reich im Sinne Marc Aurels oder Trajans regieren und reformieren wollte, um es gegen die Bedrohung von innen und außen zu wappnen. Welchen Verlauf hätte die Weltgeschichte wohl genommen, wenn Julian nicht so früh gestorben wäre?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2002
Rezensent Karl Christ ist voll des Lobe über Marion Giebels Porträt des Kaisers Julian Apostata. Wie der Rezensent ausführt, wühlte Julian, obwohl er nur rund 20 Monate, zwischen 361 und 363 n. Chr., regierte, das Imperium durch seine Religionspolitik wie durch seinen Herrschaftsstil und seine Lebensform zutiefst auf. Kenntnisreich schildert Giebels nach Ansicht des Rezensenten die wichtigsten Stationen von Julians Leben. Einen "Glanzpunkt" der Darstellung erblickt der Rezensent dabei in Giebels Beurteilung von Julians Aufenthalt in Antiocha. Überzeugend interpretiere Giebel zentrale Schriften des biblomanen Kaisers. Aber nicht nur den Kaiser und Schriftsteller Julian, sondern - "nicht das geringste Verdienst des kleinen Buches" - auch den Menschen stellt die Autorin nach Einschätzung der Rezensentin treffend dar. Überaus angetan zeigt sich der Rezensent schließlich von Giebels Ausführungen zum Nachleben Julians, insbesondere weil dabei nicht nur die Positionen von Montaigne, Montesquieu, Voltaire und Gibbons, die Werke von D. F. Strauß und Ibsen, sondern auch die einst weit verbreiteten Romane von Mereschkowski, Dahn und Vidal zu ihrem Recht kommen.
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