Viel ist in letzter Zeit von "Hate Speech" und "Hass im Netz" die Rede. Sascha Lobo und Carolin Emcke machen sich stark gegen den Netzhass, es gibt Social-Media-Kampagnen #GegendenHass, und auch die Bundesregierung lässt sich in diesem Kampf nicht lumpen. Doch was genau darunter zu verstehen sein soll, weiß keiner so recht. Je nach Belieben fallen die unterschiedlichsten Phänomene wie persönliche Beleidigung, Verleumdung, Wut, Provokation, Kunst, Faschismus oder Klassenkampf unter das "Hass"-Verdikt. Wir sollen uns alle besser benehmen - im Internet. Doch wer bestimmt die Spielregeln im Netz? - Der Kampf gegen das Symptom Hass, behauptet Marlon Grohn, dient der Ablenkung von Verhältnissen, die seine Ursache sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2021
Rezensent Jörg Thomann muss sich überwinden, um das Buch des selbsternannten Kommunisten und Hassers linksliberaler Gesellschaftskritik Marlon Grohn zu lesen. Manches im Buch muss er gleich überblättern, etwa Passagen, in denen der Autor von Terror als "notwendiger Hervorbringung bürgerlicher Vergesellschaftung" quasselt. Manch Lohnendes liest Thomann aber auch. Grohns ätzende Kritik an Jan Böhmermann und anderen Social-Media-Linken etwa trifft für ihn einen wunden Punkt. Wenn der Autor proletarischen Hass verteidigt, rollt Thomann zwar mit den Augen, dem temporären Perspektivwechsel kann er aber durchaus etwas abgewinnen.
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