Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2002
Der 20. August 1962 ist für Genevieve Lüscher ein wichtiges Datum. Denn an diesem Tag fanden die Gebrüder Ferrazza beim Bau eines Staubeckens bei Erstfeld im Reusstal sieben keltische Goldringe, die sie, berichtet die Rezensentin, nicht dem Kunsthandel, sondern dem Schweizer Landesmuseum übereigneten. Der Fund war spektakulär, denn er ließ viele Rückschlüsse auf die "europäische Prähistorie" zu und fand schnell, so die Rezensentin, einen Platz in sämtlichen Handbüchern über keltische Kultur. Lange Zeit aber mochte sich niemand so recht mit der tieferen Bedeutung des Schmucks auseinandersetzen. Für Lüscher ist es daher ein "Glücksfall", dass sich nun der Archäologe Martin A. Guggisberg in seiner Habilitationsschrift auch kulturhistorisch mit den Goldringen beschäftigt, denn hier stehe neben technischen Details gerade die Bildinterpretation oder Ikonografie der Ringe und ihrer Motive im Mittelpunkt. "Hochinteressant" findet die Rezensentin die "erstmals" vollzogenen "herstellungstechnischen Untersuchungen" und "Materialanalysen", denn die ließen genauere Angaben über Herkunft und Kunsttechnik der Ringe und des Goldes zu. Glänzend findet Lüscher auch Guggisbergs ikonografische Analyse der Ringe. Aber die Interpretation des Fundortes als historischen Ort eines "Staatsaktes" hält sie für "überstrapaziert". Dafür ist der Fund dann doch zu "singulär", denkt Lüscher.
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