Nach der Lektüre des Romans "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littel gerät der elsässische Autor in eine tiefe Krise. Sein Vater ist im Februar 1945 in Polen als deutscher Soldat gefallen, nachdem er zunächst als Elsässer in französischer Uniform gegen die Wehrmacht gekämpft hatte. Er gehörte zu den sogenannten "malgre-nous", den von den Deutschen zwangsweise rekrutierten Elsässern. Aber was heißt das schon! Was hat der Vater gesehen, gehört - was getan? Im Zuge seiner teilweise verzweifelten Suche trifft der Sohn seine Halbschwester Natascha, die ihm berichtet, dass sein Vater nicht tot ist. Er hat sich vielmehr den polnischen Partisanen angeschlossen und ist nach dem Krieg Trainer der polnischen Mannschaft im Abfahrtslauf geworden, mit der er 1968 an den Olympischen Spielen in Grenoble teilnahm, von wo er in die USA floh.
Geradezu hingerissen ist Rudolf Walther von Martin Graffs Roman "Grenzvagabund". Das Buch ist für ihn mehr als ein Roman: ein Thriller, ein Stück Autobiografie, ein packendes Geschichtsbuch und ein "sprachliches Kabinettstück". Im Mittelpunkt sieht er die Spurensuche des sechzehnjährigen Protagonisten nach seinem Vater, nachdem er erfahren hat, dass dieser gar nicht im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Hier vermischen sich nach Angaben des Rezensenten reale Suche und Fiktion. Er attestiert dem Autor, in die abenteuerliche Geschichte des Vaters nationale und die europäische Geschichte "ebenso unterhaltsam wie lehrreich" einzufflechten. Herrlich findet Walther dabei auch, wie Graff "nationale Verbiesterung" vorführt.
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