Martin Mosebach

Die Richtige

Roman
Cover: Die Richtige
dtv, München 2025
ISBN 9783423284554
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Zwei Frauen, ein Maler und eine Warnung: "Werden Sie nicht sein Modell!" Ein verblühtes Azaleenbäumchen, fast schon im Müll, und dann, ganz unerwartet, eine rosa Wolke, neues Grün - "so müsste man arbeiten, wie diese Pflanze!" Sagt Louis Creutz, ein Maler, der über Grenzen hinweggeht, weil er keine erkennt. Von den Menschen, die mit ihm in Berührung kommen, profitiert er, bevor er sie fallen lässt. Meist sind es Frauen, seine Modelle. Eine von ihnen ist inzwischen obdachlos, eine Streunerin mit goldgefärbten Locken und unheimlichem Maskengesicht. Eine andere, noch junge, lebensfrohe, die barfuß in Sandalen der Kälte trotzt, schlägt jede Warnung in den Wind.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.04.2025

In Zeiten der Datingapps freut sich Rezensent Jan Drees über den neuen Roman von Martin Mosebach, in dem die Anbahnung zwischen Mann und Frau auf ganz altmodische Art und Weise funktioniert: Der Maler Louis Creutz hat sich der Ölmalerei verschrieben, um damit den weiblichen Körper erfassen zu können, Astrid Thorblén ist die Frau eines befreundeten Unternehmers. Creutz dient sich als Porträtist an, um Thorblén näherzukommen, sodass sich eine "bukolische Dreiecksgeschichte" entspinne. Drees denkt dabei an Goethe, Flaubert, aber auch Gottfried von Straßburg und Else Lasker-Schüler, die als "Sinnbild des drohenden Verfalls" durch diese vertrackte Geschichte streunt. Creutz erscheint  dabei als "ungehobelter Narzisst", was für den Kritiker einen schönen Kontrast zur geradezu "antikisierenden" Sprache Mosebachs bildet. Der Roman lässt uns nicht nur in die Abgründe des Malers blicken, sondern auch in die eigenen, hält der Kritiker abschließend fest.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.04.2025

Ein Maler namens Louis Creutz steht im Zentrum dieses Künstlerromans Martin Mosebachs, erzählt Rezensent Wolfgang Schneider: Creutz malt mit Vorliebe weibliche Aktbilder und schläft mit seinen Modellen, die familieneigene Firma soll hingegen sein Bruder Dietrich leiten, der außerdem mit einer Frau verkuppelt wird, für die sich auch Louis Creutz interessiert. Klar wird, so Schneider, dass Creutz Frauen oft ausnutzt und auch sonst einige Charakterschwächen hat, wobei Mosebach keineswegs nur von toxischer Männlichkeit erzählt, sondern eine komplexere Gemengelage aus künstlerischem Genie, Übergriffigkeit und auch Geniekult von Seiten der Kunstkritik skizziert. Es dauert ein wenig, bis die dialoglastig erzählte, geschickt konstruierte Geschichte zündet, meint Schneider abschließend, aber wenn man erst einmal drin ist, entwickelt das Buch einen tollen Sog.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2025

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke resümiert zunächst die Handlung von Martin Mosebachs neuem Roman, bevor sie sich den Lobeshymnen anschließt: Abermals stellt Mosebach mit dem Maler Louis Creutz einen Künstler in den Mittelpunkt, allerdings kein besonders sympathisches Exemplar, erfahren wir: Jener Creutz ist eitel, geltungssüchtig, skrupellos vor allem im Umgang mit seinen weiblichen Modellen, wird dabei aber von seinem Publikum verehrt. Allein wie Mosebach die Mechanismen der Kunstszene und Künstlerklischees zerlegt, findet die Kritikerin so amüsant wie beklemmend. Darüber hinaus ist es einmal mehr die malerische Sprache des Autors, die die Rezensentin bewundert. Vor allem aber macht Maidt-Zinke im aktuellen Roman einen bisher unbekannten Ton Mosebachs aus: "Opulenz und Ornament" treten in den Hintergrund, stellt sie fest, dafür vernimmt hinter der "Fassade des Gesellschaftssatire" die "Finsternis" der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2025

Nach der Lektüre des Romans von Martin Mosebach kann niemand behaupten, er habe von nichts gewusst, ruft Rezensent Alexander Cammann. Denn in diesem "burlesken Kuppel-Kammerspiel" um den Maler Louis Creutz, der sich vor allem durch sein "exzessives Ego" auszeichnet, ahne der Leser von der ersten Seite an die Katastrophe. In einem zu Beginn eher gemächlichen "Parlando" entfaltet Mosebach die Geschichte um Creutz und Astrid, eine fünfundreißigjährige Schönheit, deren Hautton den Künstler so fasziniert, dass sie sein neues künstlerisches Objekt werden muss, erzählt der Kritiker. Der Maler, der seit Jahren nur "große weibliche Akte" malt, macht Astrid zu seinem Modell und verführt sie, obwohl sie eigentlich mit seinem Bekannten Dietrich liiert ist - ein Verbindung, die Creutz in diabolischem Kalkül selbst arrangiert hat. Mosebach blickt "angemessen böse", aber auch mit Humor und Ironie auf diese Figuren, deren Beziehungen sich durch Kälte, Kalkül und Verrat auszeichnen, lobt der Kritiker. Spannende Nebenfiguren und Plottwists gibt es auch, versichert er, außerdem symbolische Motive, die dem Text eine weitere, reizvolle Ebene verleihen. Der große Knall kommt dann am Ende, warnt Cammann: Alle Bedenken im Hinblick auf "Sensivity Reading" abwerfend, bekomme es der Leser mit der seitenlangen Beschreibung einer Fehlgeburt zu tun. Das hat man in der deutschen Literatur so noch nie gelesen, versichert der Kritiker, und überhaupt: Mosebach habe hier noch einmal "neue, verblüffende Höhen" seiner Schreibkunst erreicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2025

Der neue Mosebach-Roman dürfte Fans verstören und Kritiker für sich gewinnen, freut sich Kritiker Andreas Platthaus. Denn auch wenn es um ein Mosebach-typisches Protagonistenpaar geht, den eitlen und erfolgreichen bildenden Künstler Louis Creutz und die ihm Modell stehende gescheiterte Sängerin Astrid Thorblén, die an Creutz' Ansprüchen zerbricht, so umgehe der Autor doch gelungen die ihm oft vorgeworfenen stereotypen Mann-Frau-Dichotomien, findet Platthaus: Zum einen durch zwei andere Figuren im Hintergrund, eine wohlhabende Kunstsammlerin und den übersensiblen zukünftigen Biograf Creutz', vor allem aber durch die gnadenlose Art und Weise, in der Mosebach diesmal seinen Protagonisten auflaufen lasse: "keinen Hauch von Sympathie" spürt Platthaus hier von Seiten Mosebachs für seine Figur, und das trotz der gemeinsamen Liebe zum Ästhetischen, die im Roman in Kombination mit Creutz' völliger Empathielosigkeit aber vernichtende Qualitäten annimmt und einen Tod nach sich zieht, "schaudert" Platthaus. Für ihn eine meisterlich ausgeführte "Verhaltenslehre der Kälte" in Romanform.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.03.2025

Martin Mosebachs Künstler-Roman ist ebenso unterhaltsam wie boshaft, schreibt Rezensentin Judith von Sternburg. Im Mittelpunkt steht der Maler Louis Creutz, ein scheinbar unerschütterlicher Künstler, der seine Mitmenschen behandelt wie beliebige Objekte. Als er beginnt, die Schwedin Astrid zu malen, verändern sich die bürgerlichen Kreise, in denen sich Creutz bewegt, auf einmal, resümiert der Kritiker. Jagd und Kunst sind zentrale Motive des Romans, ebenso wie die Oberflächlichkeit der Kunstszene. Mosebachs Stil ist scharfzüngig und voller präziser Beobachtungen, lobt die Kritikerin. Der Aufbau des Romans wirkt dabei bewusst gleichmütig - wie sein Protagonist, der alles um sich herum als gegeben ansieht: "Sie ist gut geparkt und läuft nicht weg." Ein böser, aber realistischer Blick auf Machtverhältnisse und emotionale Kälte in der Kunstwelt, resümiert Sternburg.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2025

In den höchsten Tönen schwärmt der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer vom neuen Roman von Martin Mosebach, der ihm, wie auch in den Romanen zuvor, keineswegs als der "reaktionäre Katholik" erscheint, als der sich Mosebach selbst bezeichnet. Vielmehr liest der Kritiker ein großes Werk, das er in einer Tradition etwa mit Jacques Rivettes Film "La belle noiseuse" sieht. Denn hier wie dort geht es um das Verhältnis zwischen Maler und Modell, erklärt der Rezensent: Mosebach ersinnt den fiktiven Maler Louis Creutz, der sich weniger für die "vorkünstlerische Schönheit" seiner Modelle als mehr für die platonische Idee interessiert. Reine Empirie ist jenem Creutz ebenso fremd wie Empathie, die "hermetische Künstlerexistenz" verlässt er nur gelegentlich, um in gesellschaftliche Abgründe abzutauchen. Die eigentliche Geschichte, in der der Autor geradezu meisterhaft den Kunstbetrieb skizziert, so Borchmeyer, dreht sich um den Bruch zwischen Creutz und seinem Modell Astrid, die ihn in mitten in der Fertigstellung eines Werks, das den Höhepunkt seiner Karriere markieren sollte, sitzen lässt. Aus Wut bearbeitet der formstrenge Maler das Bild mit brutalen "Pinselhieben" und wird für diesen "Akt der Humanität" gefeiert, resümiert der Kritiker, der gebannt verfolgt, wie zynisch der Autor den Kunstbetrieb entlarvt. Und die "gnadenlose Objektivität", mit der der Mosebach, der Malerdichter all das beschreibt, vollendet dieses Werk für Borchmeyer.

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