Karl Ove Knausgard

Die Schule der Nacht

Roman
Cover: Die Schule der Nacht
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630877938
Gebunden, 672 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Was geschieht, wenn der Mensch sich aller Moral entledigt und nur noch um sich selbst kreist? Über die Kräfte, die uns formen, sowohl die dunklen als auch die hellen.Eine winzige Insel vor der norwegischen Küste: Kristian Hadeland, erfolgreicher Künstler mit einer Karriere in London und einer bevorstehenden Retrospektive am MoMa in New York, hat sich in die Abgeschiedenheit zurückgezogen. Er will seinem Leben ein Ende setzen. "Tod und Vergänglichkeit", das war das große Thema seines fotografischen Werks, mit dem er sich über sämtliche Regeln hinwegsetzte und in der Kunstwelt für Furore sorgte. Für diesen Ruhm ist er einen faustischen Bund eingegangen. Jetzt steht er vor den Trümmern eines rücksichtslosen Lebens und bittet um Erlösung. Möglicherweise vergeblich. Karl Ove Knausgårds Roman "Die Schule der Nacht" ist Teil der großangelegten Morgenstern-Serie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2025

Ganz klar wird nicht, wie Rezensent Peter Urban-Halle zu Karl-Ove Knausgårds neuem Roman steht. Jedenfalls handelt es sich um eine Art Faust-Paraphrase, die Hauptfigur heißt Kristian Hadeland, ist ein Künstler, der am liebsten groß denkt: Als er beschließt sich umzubringen,  blickt er noch einmal auf sein Leben zurück. Zudem tritt eine Mephisto-Figur auf, die den Protagonisten eher intellektuell als erotisch herausfordert, sowie eine Theaterregisseurin, über die, in einer selbstreflexiven Volte, eine Doktor-Faustus-Aufführung ins Spiel kommt, resümiert der Kritiker. Wie schon im ersten Band der "Morgenstern"-Reihe, deren vierter Band die vorliegende Veröffentlichung ist, geht es wieder viel um Religion, fährt Urban-Halle fort. Im Vergleich zu anderen Büchern Knausgårds wirkt das aktuelle einigermaßen in sich geschlossen, meint der Rezensent, wobei der Norweger auch diesmal keinen klassischen Abschluss findet. Was Urban-Halle von all dem hält, verrät er uns am Ende nicht, die großen Fragen um Glaube und fehlende Gewissheit, die Knausgård hier wieder einmal wälzt, scheinen ihn aber schon zu interessieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2025

Mit seinem neuen Roman legt Karl Ove Knausgård ein düsteres Künstlerporträt vor: Der junge Fotograf Kristian Hadeland steigt durch provokante Bilder - etwa von Leichen oder Tierkadavern - zum gefeierten "Porträtisten des Todes" auf. Rezensent Matthias Hannemann beschreibt ihn als "keinen Sympathieträger", der dennoch fasziniert. Im Zentrum steht ein faustischer Pakt mit dem mysteriösen Holländer Hans - eine deutliche Parallele zur "School of Night" um den Dramatiker Christopher Marlowe. Die Themen Tod, Teufel und okkulte Verführung sind eng mit Knausgårds gnostischer Weltsicht verknüpft: "dass die Hölle hier ist vielleicht". Die berühmte Sogwirkung, freut sich der Kritiker, seiner Prosa ist hier zugunsten einer "straffen Komposition" reduziert, was dem Roman aber eine ungewohnte Spannung verleiht. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.03.2025

Seit einigen Jahren kann Rezensent Volker Weidermann eine neue Reihe des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgard verfolgen. Darin geht es um eine Welt geht, in der ein neuer seltsamer Stern auftaucht, der verhindert, dass die Menschen sterben. In diesem Band lesen wir von Kristian, einem Fotografen, der um jeden Preis den Status des Genies erreichen will. Ziemlich höllen-nah kommt diese Figur Weidermann vor: Selbst den Suizidversuch der Schwester verwerte er fotografisch und auch die Eltern würden erkennen, dass es sich um einen Narzissten handele, der ihnen "wie ein schwarzes Loch" die Energie raube. "Schrecklich überzeugend" hat Knausgard das für den Rezensenten geschildert, mit kraftvoller Sprache, die Paul Berf wie gewohnt kongenial übersetzt habe. Vielleicht gibt es auch Bezüge zur Rücksichtslosigkeit, mit der der Autor seine Nächsten für seine eigene Romane ausgenutzt habe, überlegt der Kritiker zum Schluss.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…