Fassaden
Roman

Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2025
ISBN
9783312013845
Gebunden, 480 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Eva Bonné. Im Jahr 2019 verarbeitet Anna, eine Psychoanalytikerin, eine kürzlich erlittene Fehlgeburt. Ihr Mann David nimmt einen Job in London an, und so verbringt sie die Tage damit, wie besessen die Küche zu renovieren, während sie sich mit einer jüngeren Frau namens Clémentine anfreundet, die in das Haus eingezogen ist und zu einem radikal-feministischen Kollektiv namens les colleuses gehört. In der Zwischenzeit, 1972, renovieren Florence und Henry ihre Küche. Florence beendet gerade ihr Psychologiestudium und hofft, schwanger zu werden. Aber Henry ist sich nicht sicher, ob er für die Vaterschaft bereit ist... Beide Paare stehen vor den Herausforderungen der Ehe, der Treue und der Schwangerschaft. Die Figuren und ihre Geister stoßen umkreisen sich, ohne zu wissen, dass sie einst alle denselben Raum bewohnten...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2025
Ein insgesamt starkes Romandebüt legt Lauren Elkin hier laut Rezensent Stefan Michalzik vor. Die Hauptfigur dieser Geschichte, die Michalzik an die Filme Eric Rohmers erinnert, ist zunächst Anna, eine Psychoanalytikerin, deren Mann gerade in London weilt, während sie selbst unter Depressionen leidet und schließlich Clémentine kennenlernt, eine Nachbarin, mit der sie sich zunächst anfreundet - später wird mehr daraus. Das Judentum, dem mehrere Figuren angehören, ist ein weiteres wichtiges Thema des Romans, der später erweitert wird um einen Handlungsstrang in den Siebzigern, beziehungsweise die Figuren Florence und Henry, die damals im selben Haus gewohnt hatten wie Anna und Clémentine jetzt. Das Private und das Politische fließen ineinander in diesem der weiblichen Subjektivität und auch feministischem Aktivismus gewidmeten Buch, erklärt Elkin, dem lediglich die Kalenderspruchweisheiten, die Anna im ersten Teil des Buches gelegentlich absondert, nicht gar so gut gefallen. Sex wiederum steht nicht im Zentrum, Begehren hingegen schon, vor allem weibliches. Nicht zuletzt zeige diese Geschichte, dass viele Themen wie Identitätssuche, Liebe und der Wunsch nach Unabhängigkeit in einem gewissen Sinn zeitlos sind, heißt es am Ende.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.05.2025
Rezensentin Annabelle Hirsch empfiehlt diesen Roman von Lauren Elkin allen, die sich ähnlich wie der französische Filmemacher Eric Rohmer nach einer sehnsuchtsvollen, nachdenklichen Welt voller philosophischer Überlegungen sehnen: Der Roman teilt sich zwischen zwei Zeitebenen auf, eine spielt 1972, die andere 2019, doch viele der Probleme bleiben bestehen und auch der Schauplatz, eine Pariser Wohnung, bleibt derselbe. 2019 hat die Psychoanalytikerin Anna gerade eine Fehlgeburt erlitten, sie irrt durch ihr Leben und trifft auf Clémentine, die des Nachts gegen Femizide protestiert, das alles findet vor der Folie psychoanalytischer Theoretiker statt, insbesondere Jacques Lacan spielt eine wichtige Rolle, erfahren wir. Auch für die 1972er Ebene: Die Protagonistin Florence und ihr Mann Henry lieben sich aneinander vorbei, Florence geht lieber zu den legendären Seminaren Lacans - das zeigt für Hirsch den Facettenreichtum dieses klugen Romans, der den Essays Elkins um nichts zurücksteht. Ganz im Gegenteil: Die gefühlvollen, nachdenklichen Schilderungen heben die Kunst der Autorin der Kritikerin zufolge auf ein ganz neues Niveau.