Der Moralphilosoph Martin Rhonheimer wendet sich in den hier vorgelegten Studien zur Bioethik gegen eine Aufweichung des Tötungsverbots zugunsten einer "Kultur des Todes", in der Töten im Wege der Güterabwägung zum normalen Mittel der Konfliktlösung wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2003
Martin Rhonheimer lehrt an der Päpstlichen Universität in Rom - und schon deshalb wird, wie der Rezensent Michael Pawlik feststellt, seine abtreibungskritische Position keinen überraschen. Die entscheidende Frage ist dabei natürlich die nach den Argumenten. Und leider, so Pawlik, sieht es da nicht so gut aus. In der Auseinandersetzung mit dem liberalen Ethiker Norbert Hoerster sieht Rhonheimer das entscheidende Problem in der Frage danach, was es über das biologische Faktum hinaus bedeutet, Mitglied der "Spezies homos sapiens" zu sein. Die Antwort, die er gibt, lautet: "viel". Das ist, wie der Rezensent trocken feststellt, als Argument wohl ein bisschen wenig. Auch in anderen Punkten, etwa seiner scharfen Kritik am Güterabwägungsdenken, enttäusche Rhonheimer, indem er zuletzt in verdeckter Form selbst auf ein Güter abwägendes Motiv zurückgreifen müsse. Alles in allem also recht harsche Kritik an dieser moraltheologischen Erörterung, wenngleich Pawlik sich im letzten Satz zu versichern beeilt, dass das Werk als "kräftiger Kontrapunkt" zum "herrschenden Laissez-Faire" ein wertvoller Beitrag sei.
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