Martin Suter

Lila, Lila

Roman
Cover: Lila, Lila
Diogenes Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783257063868
Gebunden, 345 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

So rein wie die Liebesgeschichte, die er als Manuskript in einem alten Nachttisch findet, sind auch Davids Gefühle für Marie. Und er möchte ihre Liebe, um jeden Preis. Dafür muß er ein anderer werden als der, der er ist. David schlüpft in eine Identität, die ihm buchstäblich über den Kopf wächst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2004

Der Rezensent Kai Martin Wiegandt fühlt sich leidlich gut unterhalten von dieser Satire über den Literaturbetrieb und bezeichnet sie als "hübsch". Viel Pepp besitzt die Geschichte seiner Meinung nach aber nicht: "Suters Satire ist von der milden Art, wie überhaupt das ganze Buch von einer Ruhe getragen ist, der sich der Satzbau genauso hingibt wie der stetige Rhythmus, in dem hier Knötchen geschürzt und gelöst werden". Was in der Geschichte, in der ein Kellner mit einem in einer Schublade gefunden Manuskript berühmt wird und damit auch die begehrte Frau abkriegt, passiert, hält in den Augen des Rezensenten zu wenig Überraschungen bereit. Vielleicht ist die latente Langeweile des Rezensenten auch darauf zu rückzuführen, dass Suters Protagonist - von dem gelungenen Betrug einmal abgesehen - ein eher passives Naturell hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.02.2004

Nach Darstellung des Rezensenten Kolja Mensing klingt Martin Suters neuer Roman wie eine angenehme, aber nicht allzu abgründige Lektüre. Suter, der sich in seinen Romanen bislang vornehmlich mit Menschen beschäftigt habe, "deren Bewusstsein bestimmte krankhafte Veränderungen erleidet", widme sich hier ganz der "Pathologie des Alltags", in Form der um sich greifenden Katastrophe "einer einzigen, unvorsichtigen Lüge". Zur Geschichte: David, Suters Hauptfigur, findet in einem kürzlich erstandenen antiken Schreibtisch ein Manuskript, augenscheinlich eine Liebesgeschichte. Um Marie zu gewinnen, gibt er es ihr, mit seinem eigenen Namen geschmückt, zu lesen. Die begeisterte Marie schickt es kurzerhand einem Verlag, und es dauert nicht lange bis David als literarischer Newcomer gefeiert wird, ihm jedoch eines Tages auf einer Lesung der wahre Autor gegenübersteht und ihn um eine Widmung bittet... Ein bisschen fühlt sich der Rezensent dabei an Patricia Highsmith erinnert und deren Meisterschaft, "mit sparsamsten Mitteln das Gefüge der vielen Unwahrheiten zu beschreiben, das die Gesellschaft im Innersten zusammenhält", doch kann Suter nicht mit den bodenlosen "Abgründen" aufwarten, die sich bei Highsmith hinter solchen Unwahrheiten auftun. Trotzdem lese man "Lila, Lila" gerne und lasse sich von Suters "einfachen, beinahe altmodisch anmutenden Sätzen" in eine zunehmend "trübsinnige" Liebesgeschichte hineinziehen, die nebenbei eine "feinsinnige" Parodie auf den Literaturbetrieb liefere.
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