Der in Wien geborene Fritz Kreisler (1875-1962) war der wohl einflussreichste Violinkünstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit seinem warmen unverwechselbaren Geigenton hat der als Wunderkind in Paris ausgebildete, dann in Berlin und New York lebende Künstler Generationen von Musikliebhabern in seinen Bann gezogen. Fritz Kreisler hat zahlreiche Komponisten der Moderne inspiriert: Edward Elgar und Felix Weingartner widmeten ihm Violinkonzerte; Arnold Schönberg plante, Werke für ihn zu schreiben. Zugleich war ein Massenpublikum so verzaubert von ihm, dass er sozusagen zu einem internationalen Popstar der Musikkultur vor dem Zweiten Weltkrieg wurde. Erst die von ihren technischen Errungenschaften überzeugten 1950er Jahre ließen Kreisler allmählich altmodisch erscheinen. Seine ausdrucksstarke, oft improvisiert wirkende Spielweise und Kompositionen wie "Liebesleid", "Liebesfreud" oder "Caprice viennois" brachten dem Geiger Weltruhm, aber auch den Ruf eines Salonkünstlers ein. Seine Tonaufnahmen überzeugen allerdings bis heute durch ihre zugewandte, körperliche Vitalität, die in erstaunlicher Vielfältigkeit Gestalt annimmt. Dabei scheint es, als kämen durch Kreislers Musik sämtliche historische Schulen und Stilarten miteinander ins Gespräch: in einem lebendigen Theater der Erinnerung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.10.2022
Rezensent Harald Eggebrecht begrüßt die "Solo"-Reihe der Edition Text+Kritik, die Musikvirtuosen porträtiert. Nicht jeder Band mag gleichermaßen gelungen sein, räumt der Kritiker ein, aber Matthias Schmitz' Kreisler-Porträt sticht besonders hervor. Denn der Basler Musikprofessor porträtiert den Violinisten und Komponisten zwar arg umfangreich, macht aber auch deutlich, wie Kreisler seine Biografie umdeutete und anreicherte, um als "legitimer Erbe" des Wiener Musiklebens im 19. Jahrhundert zu erscheinen, klärt Eggebrecht auf. Und wenn der Autor schließlich bei exemplarischen Aufnahmen genau hinhört, um die besondere Kreisler-Wirkung zu ergründen, ist der Rezensent vollends zufrieden.
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