Otto Schmidt, in einem märkischen Pastorenhaushalt geboren, war Generalstabsoffizier im Ersten Weltkrieg und später Mitglied des Reichstags für die Deutschnationale Volkspartei. Wie viele Konservative sah Schmidt in der Reichspräsidentschaft Hindenburgs, an deren Zustandekommen er nicht unwesentlich beteiligt war, ein Signal zur Versöhnung mit dem politischen System der Weimarer Republik. Enttäuscht von der deutschen Außenpolitik wandte er sich jedoch ab 1928 gegen die Republik. Schmidt gelang es, in den engsten Vertrauenskreis Alfred Hugenbergs aufzusteigen und zwischen 1929 und 1933 die deutschnationale Politik entscheidend mitzugestalten. Stets loyal gegenüber Hugenberg vermochte er es allerdings nicht, ihn von seinem Bündnisgedanken mit Hitler abzubringen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2010
Für Wolfram Pyta zeigt die "kenntnisreiche und solide" Arbeit von Maximilian Terhalle anhand der politischen Biografie des Reichstagsabgeordneten Otto Schmidt, wie die DNVP Positionen eines gouvernementalen Konservatismus preisgab und so dem Nationalsozialismus Tür und Tor öffnete. Der Blick auf den Einzelfall eines karriereorientierten Politikers aus der zweiten Reihe (anstelle einer Strukturgeschichte) verschafft Pyta "interessante Einblicke" in die Verwandlung des Konservatismus nach 1918 insgesamt. Auch wenn er beim Autor eine gewisse Theoriescheu feststellen muss und sich Terhalle seiner Meinung nach mitunter auf schmaler Quellengrundlage bewegt.
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