Melania G. Mazzucco

Die so Geliebte

Roman um Annemarie Schwarzenbach
Cover: Die so Geliebte
Piper Verlag, München 2003
ISBN 9783492043014
Gebunden, 540 Seiten, 23,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Gesa Schröder. "Doch, sie ist schön, auch als Mädchen", ergänzt Klaus Mann, als er seine Freundin Annemarie beschreibt. "Sie ist ehrgeizig und zart und ernst." Annemarie Schwarzenbach ist all das und gleichzeitig eine der schillerndsten Figuren der mondän-intellektuellen Welt der dreißiger Jahre. Sie entstammte einer der reichsten Schweizer Industriellendynastien, war von androgyner Schönheit, verzauberte Männer wie Frauen, war Fotografin und Schriftstellerin. Und doch schien sie immer auf der Flucht vor sich selbst, getrieben auf der Suche nach der unerreichbaren Liebe. Melania Mazzucco rekonstruiert  das Leben dieser außergewöhnlichen Frau: ihre Jugend in der Schweiz, ihre schwierige Beziehung zur Mutter, ihre Reisen nach Amerika, Persien und in den Kongo, ihre Scheinehe mit einem französischen Diplomaten und ihren tragischen Tod 1942, mit nur vierunddreißig Jahren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2004

Erst Ende der 80er Jahre wurde die Öffentlichkeit wieder auf Annemarie Schwarzenbach aufmerksam, die in den 30er und 40er Jahren die Schweizer Literaturszene aufmischte und heute vor allem in feministischen Kreisen als Kultfigur gilt, führt Klara Obermüller das Sujet ihrer Besprechung ein. Seither wurden Schwarzenbachs Reportagen, Romane, Briefe veröffentlicht, seither entstanden Biografien und Dokumentarfilme über das abenteuerliche Leben der früh Verstorbenen. Warum die italienische Autorin Melania Mazzucco keine Biografie verfasst, sondern die Romanform gewählt hat, kann sich Obermüller nur mit dem Verweis auf die größere dichterische Freiheit erklären. Mazzucco, die ihre Herkunft vom Film laut Obermüller nicht verleugnen kann, nimmt sich große Freiheiten heraus, findet die Rezensentin: jedoch keine dichterische Freiheit, die erfindet, um etwas deutlich zu machen, sondern eine Freiheit, die alles und jedes Detail ausmalt und das auch noch in den schwülstigsten Farben. "Mazzucco weiß alles und sieht alles", ärgert sich Obermüller, die trotz aller populärpsychologischen Erörterungen keine wirklich neuen Erkenntnisse gewonnen hat. Mazzuccos Ergüsse seien das pure Gegenteil von Schwarzenbachs kargem poetischen Stil, warnt Obermüller und legt allen Interessierten das Original ans Herz.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003

Hinter dem Kürzel A.S., wie die Protagonistin im Roman durchgängig heißt, verbirgt sich die Schweizer Schriftstellerin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach, die 34-jährig im Jahr 1942 durch einen Fahrradsturz ums Leben kam, verrät Silja Ukena in ihrer Kurzkritik. Heute wäre Schwarzenbach vielleicht Reporterin bei "Geo" oder "Stern", damals profitierte sie von den finanziellen Privilegien einer Industriellentochter, die einen rastlosen, exzessiven Lebensstil pflegte. Im übrigen war Schwarzenbach eine enge Freundin von Erika Mann. Melania Mazzucco zeichnet ein "anrührendes" Porträt der Schwarzenbach, in dem sie weniger die exzentrische Reiseschriftstellerin als vielmehr einen einsamen Menschen auf der Flucht zeigt, so Ukena, dem "die äußere Welt in dem Maße verloren ging", in dem er "sie für sich zu gewinnen versuchte".

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