Ahmadjan und der Wiedehopf
(Ab 12 Jahren)

Carlsen Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783551799715
Gebunden, 240 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
1972 kommt der junge Ahmadjan aus Afghanistan nach Hamburg, um Künstler zu werden. Was folgt, ist eine bunte Irrfahrt, ein bewegtes Leben zwischen Kunst und Krieg, Heimat und Neuanfang, Flucht und Verantwortung, immer auf der Suche nach dem Glück. Seine Biografie erzählt Ahmadjans Tochter Maren Amini in ihrer Graphic Novel entlang der alten persischen Sage der "Konferenz der Vögel" von Fariduddin Attar und zeigt darin auch die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Identität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2024
Ein großartiges Buch hat die Comiczeichnerin Maren Amini über ihren und mit ihrem Vater Ahmadjan Amini erschaffen, findet Rezensent Andreas Platthaus. Es handelt von der Lebensgeschichte des Vaters, der, so der Kritiker, in Afghanistan aufwuchs, in den 1970ern erstmals nach Deutschland kam und seit dem Bürgerkrieg 1980 dauerhaft in Hamburg lebt. Der Vater ist Künstler, auch einige seiner Bilder sind in diesen Band mit eingeflossen, Maren Aminis wiederum orientiert sich, beschreibt Platthaus, stilistisch an Sempé oder auch den "Peanuts", verbindet diese westlichen Vorbilder jedoch geschickt mit anderen Kulturtraditionen, wie etwa dem persischen epischen Gedicht "Die Konferenz der Vögel". Das bringt den Wiedehopf des Titels ins Spiel, der zum Begleiter Ahmadjans wird. Großartig, wie hier die verschiedenen Lebenswelten, durch die die Hauptfigur sich bewegt, kontrastiert werden, freut sich der Rezensent, der den teils selbstironischen, aber nie bitteren Band auch als eine Liebeserklärung für das leidgeprüfte Afghanistan liest.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 30.10.2024
Rezensentin Imke Staats kann die heiter strahlende Bilderzählung von Maren Amini und ihrem Vater Ahmadjan nur empfehlen. Aminis Bilder holen die Migrationsgeschichte ihres Vaters aus dem Afghanistan der 1980er Jahre auf berührende Weise zurück: Der Vater lässt sich von verschiedenen Vögeln aus dem kriegsversehrten Orient in den Westen führen - ein Motiv, das zur Dichtung des persischen Dichters Fariduddin Attar passe, dessen Verse ebenfalls in dem Band enthalten seien. Attars Poesie passe perfekt zu Aminis nüchterner Zeichentechnik und mache die Geschichte zugänglicher. Farben werden nur sparsam eingesetzt und wenn, dann haben sie einen symbolischen Gehalt und akzentuieren sich zu einem komplexen Relief der Migrationserfahrung. Im Grunde sei es die Stärke des Comics, das Bittere "verständlich und erträglich" zu machen, betont Staats. Eine einfühlsame Lektüre reiche hier also aus, Vorkenntnisse seien nicht nötig, denn dieser Comic lese sich wie ein Geschichtsbuch, nur "viel schöner", so die Rezensentin abschließend.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024
Rezensentin Martina Knoben ist sehr angetan von dieser Veröffentlichung. Und zwar schon deshalb, erläutert sie, weil sie sich beim Betrachten der ersten Graphic Novel der Autorin an den großen Comiczeichner Jean-Jacques Sempé erinnert fühlt. Amini beschäftigt sich hier, lernen wir, mit ihrem Vater, der in Indien geboren und aufgewachsen war, später nach Deutschland auswanderte und dort eine Familie gründete. Behandelt werden dabei laut Knoben schwere Themen wie die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen und auch die Härten, die die Forderung nach Integration mit sich bringt - so viele Sorgen hat der Vater gelegentlich, dass sein Kopf in den Bildern zu einem einzigen Geschwurbel wird. Freilich werden, freut sich die Rezensentin, diese heftigen Themen in einer leichtfüßigen, melancholisch-märchenhaften Form präsentiert. Eine Rolle spielen dabei die einem Klassiker der persischen Erzählkunst entlehnten Vögel, heißt es weiter, die jeweils an den Kapitelanfängen auftauchen und teils Personen aus dem Leben des Vaters nachempfunden sind. So ist Amini der sehr angetanen Rezensentin zufolge am Ende doch ein hoffnungsvolles Buch gelungen.