Das vorliegende Buch von Michael Hartenstein beschäftigt sich im wesentlichen mit folgenden Fragen: Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie? Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen? Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht? War im Grunde Hitler schuld an der Oder-Neiße-Grenze und damit an der Vertreibung der Ostdeutschen? Gab es je eine Möglichkeit der Revision dieser Grenze? War die neue deutsch-polnische Grenze als gemeinsamer Beschluss der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eine Folge der Potsdamer Konferenz?Der Autor stellt die Geschichte der Oder-Neiße-Linie erstmals zusammengefasst von ihrer Vorgeschichte im 19. Jahrhundert bis zur völkerrechtlichen Anerkennung im Jahr 1990 dar. Schwerpunkt des Buches sind die Jahre 1939 bis 1950.Hartenstein kommt zu einem Ergebnis, das der derzeitigen offiziellen Geschichtslesart in Deutschland und Polen nicht gerade entspricht: Die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens verbunden mit der Umsiedlung war keine Polen bei der Potsdamer Konferenz verordnete alliierte Lösung eines Grenzproblems, sondern die energisch betriebene Verwirklichung von lange bestehenden und öffentlich formulierten Zielen des polnischen Nationalismus. Der von Deutschland verlorene Zweite Weltkrieg öffnete mit Hilfe der Sowjetunion der Verwirklichung dieser polnischen Ziele ab Jahresbeginn 1945 Tür und Tor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2007
Im Osten nichts Neues. Was in Michael A. Hartensteins Buch geschrieben steht, kennt Hanns Jürgen Küsters schon aus anderer Quelle. Aus Hartensteins 1997 veröffentlichter Schrift "Die Oder-Neiße-Linie" und aus den in den Zeitungen geführten Debatten um das Berliner "Zentrum gegen Vertreibung". Richtig ungehalten scheint der Rezensent über das Publizieren von zehn Jahre alten Erkenntnissen, Karten- und Quellenmaterial, die mit dem neuesten Stand der Forschung nichts zu tun haben. Neu verfasste Eingangs- und Schlusskapitel genügen ihm nicht. Die These des Autors zur Rolle des polnischen Nationalismus bei der Grenzziehung möchte Küsters so, ohne Einbezug aktuellen Wissens, offenbar nicht mehr hören.
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