Welche Bedeutung haben zentrale Mythen des europäischen Abendlandes für die neuzeitliche Kultur Mitteleuropas? Wie entwickelten sie sich unter den Bedingungen politischer Freiheit (im Westen des Kontinents) und in einer Atmosphäre politischer wie sozialer Bedrückung (in seinem Osten)? Der Autor spürt ausgewählten Mythen in den Literaturen des Westens wie auch Polens nach und arbeitet ihre Funktionen in sich wandelnden kulturellen Umfeldern heraus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2006
Erfreut zeigt sich Hans Peter Kunisch, dass Suhrkamp es nicht bei Michael Glowinskis Zeitzeugen-Essays "Eine Madeleine aus Schwarzbrot" beließ, sondern nunmehr auch die kulturwissenschaftlichen Arbeiten ins Deutsche übertragen hat. Und die, so Kunisch, seien "gelassen, unspektakulär" geschrieben und ließen dem Autor die Ruhe, "Gedankengänge sorgfältig dazulegen". Einiges liege erfrischend quer zu gängigen Interpretationsmustern wie Glowinskis Überlegungen zum Begriff des Labyrinths. Und auch Dionysos bekommt aus der osteuropäischen Perspektive einen anderen Klang: Der übersteigerte Künstlermythos müsse sich eben nicht zwangsläufig zu einem "politisch-irrationalistischen Führertum" fortentwickeln, referiert Kunisch: Als die "herbeigeschrieenen Führer in Wirklichkeit auftauchten", habe sich die moderne polnische Literatur von Dionysos verabschiedet - lange vor einigen ihrer westlichen Schwestern.
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