Slavoj Zizek

Parallaxe

Cover: Parallaxe
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518584736
Gebunden, 445 Seiten, 26,80 EUR

Klappentext

Parallaxe bezeichnet gemeinhin die scheinbare Änderung der Position eines Objekts, wenn der Beobachter seine eigene Position verschiebt. Was ist aber, wenn die beobachtete Veränderung nicht einfach nur subjektiv ist? Was ist, wenn sie gerade vom Gegenstand selbst und seinen ihm innewohnenden Antagonismen ausgeht? Slavoj Zizeks Buch ist eine kritische Analyse der Gegenwart und zugleich ein grundlegendes philosophisches Werk, das sein theoretisches Gerüst in eine programmatische Form bringt. Es vereint philosophische und theologische Analysen, Interpretationen von literarischen Texten, Filmen und Kompositionen und nicht zuletzt Anekdoten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.11.2006

Mit wohligem Schauder hat Rezensent Wilhelm Trapp ein geistiges Vollbad im philosophischen Whirlpool von Slavoj Zizeks jüngstem Buch genommen, das er als "brausendes Gemisch von Thesen und Theorien" beschreibt. Dessen Denken in Paradoxien findet er nach wie vor ziemlich anregend, aber irgendwie ist er nicht sicher, ob er am Ende einem Scharlatan aufgesessen ist. "Origineller Starphilosoph oder Theorietanzbär vom Balkan?" - so genau kann Trapp diese Frage für sich nicht ganz klären. Hier hätte ein Lektor eventuell Wunder bewirken können, aber scheinbar sei dieser Denker auch von verlegerischem Fachpersonal nicht zu bändigen. Zwar gelingen Zizek aus Sicht des Rezensenten mit seinem "Parallaxemotiv" immer wieder erstaunliche "Zirkelschläge zwischen scheinbar Dissoziierten", auch wenn seine Exkurse nicht alle gleich originell ausgefallen sind. Am Ende redet er Zizek ins Gewissen und fragt, ob er nicht langsam Angst habe, seine Theorien wie "ein Imitator seiner selbst" nur noch zu reproduzieren - schillernd, aber irgendwie seelenlos.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2006

Was Andreas Dorschel über Slavoj Zizeks neues Buch schreibt, ist lustig zu lesen, für den Leser des Buches aber bedeutet es nichts Gutes. Der Erkenntniswert geht gegen Null, wenn wir Dorschel richtig verstehen. Der Schwafelwert dagegen sprengt die Skala. Schon die Wahl der Parallaxe-Metapher ("Eselsbrücke"), erscheint Dorschel derart beliebig, dass er befürchtet, der Band könne den Auftakt bilden zu einer schier endlosen Reihe. Wenn Zizek zu argumentieren beginnt, muss Dorschel an Brei denken, um so mehr, je öfter der Autor "präzise" ruft und den Leser mit einem ermutigenden "Wir" auf seinen Erkenntnis-Hochsitz hievt. Und wahrlich von dort oben sieht auch Dorschel bald alles vereint: Marx und Lacan, Disney und Deleuze, Hitchcock und Kant. Offen bleibt nur die Frage des Rezensenten, wieso Zizek nicht einfach drauflos spinnt, ohne seine wilde Assoziationskette noch mit Fußnoten zu behängen. Ach ja, akademische Gewohnheit. Dieser Mann, ächzt Dorschel, ist eben ein "Pedant des Wirren". Gespiegelt findet das der gebeutelte Rezensent in einem "hässlichen Nominalstil", den die Übersetzung auch noch pflichtbewusst bewahrt hat.
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