Aus dem Tschechischen und mit einem Nachwort von Eduard Schreiber. Inmitten der mondänen Welt einer Gesellschaft von Künstlern, Lebemännern und Großbürgern inszeniert sich Giulia geschickt als begabte Bel Canto-Sängerin. Obwohl ihr jedes Talent fehlt, gelingt es ihr mit großem Einsatz und nicht ohne Entbehrungen den Schein aufrecht zu erhalten. Das Karussell der Freund- und Liebschaften und ihrer Karriereschritte (und -rückschritte) dreht sich immer schneller. Sou kova breitet ein buntes und schillerndes Kaleidoskop an Personal aus, das zum Publikum für Giulia als Sängerin, Schauspielerin, Drehbuchautorin oder Edelgeliebte wird. Giulia scheint zu scheitern und tritt doch aus diesem Scheitern mit immer neuen Erfolgsgeschichten hervor nicht müde, diese zu verbreiten. Der Leser muss sich hüten, Giulia zu glauben, aber darf er dem Erzähler trauen? Dieser entpuppt sich schließlich als eifersüchtiger Liebhaber.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2011
Sandra Kerschbaumers Rezension beleuchtet vor allem die literaturhistorische Bedeutung dieses im Original bereits 1944 veröffentlichten Romans. Die narratologischen Experimente der Moderne mit ihren neuen Erzählformen, insbesondere die von Proust bis Joyce forcierten "Zweifel" an der Vertrauenswürdigkeit von Erzählinstanzen sowie dem Vermögen des Romans, Wirklichkeit adäquat abzubilden, findet Kerschbaumer in Souckovas Werk wieder. Um eine Künstlerbiografie handelt es sich bei "Bel Canto", wie die Rezensentin berichtet, präsentiert von einem Erzähler, der unentwegt relativiere und eine "beständige Selbstthematisierung" des Romans betreibe. Der von ihm erzählten Karriere der mittelprächtig talentierten Sängerin Giulia verweigere er eine kontinuierliche und kohärente Darstellung und ergehe sich stattdessen in Zeitsprüngen und Digressionen, "bis dem Leser schwindelt". Obwohl die Rezensentin den Roman "etwas überspannt" findet, legt sie ihn dem Leser dennoch nahe: als (seltenen) tschechischen Beitrag zur klassischen Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2011
Sehr kundig erzählt Alena Wagnerova zunächst die faszinierende Geschichte der Autorin, die manche Abgründe des 20. Jahrhunderts durchschritten hat, und würdigt ihren Roman "Bel Canto", der nicht immer einfach zu lesen, aber auf jeden Fall eine Entdeckung zu sein scheint. Souckova war eine große Außenseiterin der tschechischen Literatur, erzählt Wagnerova. Während des Krieges stand sie der "Gruppe 42" um Jiri Kolar nahe. Für das Manuskript ihres Romans "Bel Canto" erhielt sie 1943 einen renommierten tschechischen Literaturpreis. Danach war sie tschechischer Kulturattache in den USA und blieb im Exil, nachdem die Kommunisten in der CSSR die Macht an sich gerissen hatten. "Bel Canto" ist nach Wagnerova an Joyce und Woolf geschult. Eine erfolglose Opernsängerin träumt von Triumphen beim Publikum und bei Männern, die sie nie hatte, und ihre Erzählung ist doppelt gebrochen, weil sie uns nicht direkt erzählt wird, sondern ironisch weiter getratscht von dem männlichen Ich-Erzähler, dem sich die Sängerin anvertraute. Es ist eine Schule des Erzählens, sagt Wagnerova, ein ständiger Perspektivenwechsel. Ausdrücklich lobt sie die Übersetzung durch Eduard Schreiber.
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