"Meine alte, treue Liebe"
Richard und Minna Wagner: Briefwechsel

Georg Olms Verlag, Hildesheim 2024
ISBN
9783758202643
Gebunden, 248 Seiten, 24,80
EUR
Klappentext
Herausgegeben von Eva Rieger. Erstmals zusammengestellt: Der Briefwechsel Richard Wagners und seiner ersten Frau Minna. Minna Wagner lernte ihren Ehemann Richard als mittellosen Komponisten und Dirigenten kennen. Er konzipierte seine Opern an ihrer Seite und sie war seine Gesprächspartnerin durch seine schwierigsten Lebensjahre hindurch. Ob die Revolution 1848, an der er teilnahm, die Flucht aus Riga wegen Überschuldung, ob die Hungerjahre in Paris - sie war immer dabei. Die Briefauswahl zeigt das Verhältnis zwischen den beiden, das mit seiner leidenschaftlichen Verliebtheit begann und mit höflichen Floskeln endete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.08.2024
Rezensentin Judith von Sternburg liest Richard und Minna Wagners Briefe mit großem Interesse und immer wieder auch mit Überraschung. Gibt der Briefwechsel doch einige durchaus neue, unerwartet tiefe und differenzierte Einblicke in das Zusammenleben der Eheleute, vor allem aber das Leben des Künstlers, wobei diese Gewichtung der Tatsache geschuldet ist, dass von Minnas Briefen nur elf erhalten sind, im Gegensatz zu 400 Briefen aus der Hand ihres Mannes, 100 davon sind in diesem hervorragend editierten Band enthalten. Überraschend etwa ist: Richard Wagners manchmal fast schon alberner Humor, mit der er seinem "Herzens Weibel" schreibt, ihr kleine, lustige Verse schickt, sich Verliebtheitsgefühlen hingibt, von seinen erbaulichen, wie den enttäuschenden Erfahrungen erzählt und auch seinem künstlerischen Schaffen. Dass Wagner erst spät mit dem Erfolg belohnt wurde, den er so erhoffte und verdiente, ist in den Briefen gut nachvollziehbar dokumentiert, lesen wir. Aber wie er sich vor Albernheiten nicht scheut, und Gefühlsausbrüchen, so schreckt er auch nicht vor offenen Beschimpfungen und Vorwürfen zurück, erkennt Sternburg. Ein "totaler Misserfolg", wie diese Ehe oft dargestellt wurde, war sie jedoch keinesfalls - es ist komplizierter, das verraten die Briefe, die Rieger in ihrem sehr hilfreichen Vorwort und den Anmerkungen versiert kontextualisiert und kommentiert, lobt die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2024
Minna Wagner, die erste Ehefrau Richard Wagners, steht nach wie vor im Schatten der Wagnerforschung, ein Umstand, der die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger dazu angeregt hat, nach zwei Biografien nun einen gekürzten Briefwechsel der beiden vorzulegen, berichtet Rezensentin Marianne Zelger-Vogt. Auch wenn es von Minna nur wenige erhaltene Briefe gibt und Richard Wagner den überwiegenden Teil der Korrespondenz einnimmt, erhält Zelger-Vogt einen guten Einblick in die Kommunikation einer Ehe, die viele durch den Mann verursachte Krisen erlebt hat: Langjährige Affären und die Teilnahme an politischen Aufständen führten dazu, dass das Paar ins Exil muss und sich Minnas Gesundheit kontinuierlich verschlechtert. Wagner hat seiner Frau einige Affären, darunter mit seiner späteren zweiten Frau Cosima, verschwiegen, aber auch das hohe Gehalt, das er von Ludwig II. bezogen hat, so kommt er der Kritikerin unaufrichtig und herablassend vor, während Minna ihr "als kluge, selbständige, tüchtige Frau" erscheint. Sie hätte sich nur gewünscht, dass die aufschlussreichen Kommentare Riegers zu den Briefen nicht in die Endnoten verbannt worden wären.