Aus dem Bulgarischen von Norbert Randow. Mirela Ivanova ist eine in Bulgarin bekannte Lyrikerin. Ihr erster Gedichtband, 1985 erschienen, trug den Titel "Steinerne Flügel", eine Umschreibung der damaligen bedrückenden Situation für kreative Menschen im gesamten Ostblock. Seit der Wende im Jahre 1989 hat Ivanova in Bulgarien weitere Gedichtbände veröffentlicht, in denen sie sich Rechenschaft ablegt über das Werden und Vergehen ihrer Gefühle, über das seltsame Phänomen menschlicher Erinnerung und über ihr Ausgeliefertsein an die Vergänglichkeit. "Einsames Spiel" versammelt eine Auswahl aus dem bisher vorliegenden Gesamtwerk Mirela Ivanovas in deutscher Übersetzung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2001
Hans Jürgen Balmes, offenbar Kenner osteuropäischer Lyrik, zeigt in seiner prägnanten Rezension die hauptsächlichen Themen - und die Schwächen - der 1962 geborenen, bulgarischen Lyrikerin auf. Sie thematisiert das derzeitige Bild ihres Landes, wie es sich nach außen darstellt: "... ein Land der verstellten Notausgänge, ein Zwischenreich, in dem Statuen von Lebenden und Toten die Straßen bevölkern, auf denen Kinder sich an Pattex berauschen." Die Liebesgedichte (durchaus mit antikem Liebespersonal wie Orpheus und Eurydike) schlagen für Balmes manchmal zu hohe Gefühlswogen, aber er schätzt Ivanovas "schnoddrig-selbstbewusste Pathetik", die ihn an Wolf Biermann erinnert. Ausdrücklich lobt er die Übertragung von Norbert Randow.
In ihre Gedichte als "Erinnerungszimmer, Traumfluchten, Albtraumkorridore" lässt die bulgarische Autorin, 1962 in Sofia geboren, uns ein, schreibt Benedikt Erenz in seiner einfühlsamen Besprechung. Erenz erinnert sich an das Gedicht "Endlich", das er früher schon einmal in einer Anthologie entdeckt hat und freut sich übers Wiedersehen: den Blick auf die Bücher im eigenen Zimmer nach der Rückkehr, "die Tür einen Spalt weit" geöffnet. "Ich trat hinzu um sie zu streicheln/ und weiß jetzt bin ich heimgekehrt und weiß/ die Freiheit ist ein Zimmer zur Untermiete/ in dem ich endlich zu Hause bin." Viele weitere Gedichtpassagen zitiert Erenz zum Beweis dafür, dass ihre Kunst die "Kunst des Selbstgesprächs" ist und kann sie gar nicht genug loben, - und lobt dann auch noch die Edition Künstlerhaus und den Übersetzer Norbert Randow. Nur eines bedauert er: dass der Band die Tür zur Welt der Mirela Ivanovna "nur 46 Seiten weit geöffnet" hat.
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