Eine Welle der Empörung, Fassungslosigkeit, der Ruf nach einem "Nie wieder!": Wenn sexueller Missbrauch von Kindern bekannt wird, sind der Aufschrei und die Beteuerungen, etwas verbessern zu wollen, laut. Tatsächliche Veränderungen und die Behebung struktureller Fehler im Kinderschutz bleiben jedoch bislang aus.Die Journalistin Miriam Hesse zeigt anhand von vier weithin bekannten und monströsen Fällen von Kindesmissbrauch auf, was sich im deutschen System bewegen muss, damit sich endlich etwas ändert - zum Wohle der Kinder.
Recht ernüchtert bleibt Rezensentin Nina Apin nach der Lektüre von Miriam Hesses Buch zum Thema Kindesmissbrauch zurück: Die Journalistin macht darin auf den großen gesellschaftlichen Missstand aufmerksam, der bei diesem Thema herrscht - und zwar nicht nur in der privaten Beschäftigung, sondern gerade auch in den zuständigen politischen Bereichen und Institutionen: Versagen etwa bei der Polizei, wenn wichtige Beweisdokumente einfach verschwinden, beim Jugendamt, wenn der Leiter einen Verdachtsfall wegignoriert, dafür aber dem mutmaßlichen Täter Infos steckt, oder im Gericht, wo juristischer Beistand für Kinder "notorisch unterbezahlt" ist. Von all dem erzählt Hesses Buch auch in Form von Interviews mit Expert:innen, die der Kritikerin allerdings zu vorhersehbar und zu fachsprachlich geraten. Am stärksten findet sie Hesses Buch, wenn die Autorin "strukturelle Fehler ganz genau benennt" und konkrete Anpassungen aufzeigt, die es gibt, wenn auch nur vereinzelt. Ein stellenweise etwas schwer zu lesendes, aber lehrreiches Buch, vermittelt Apin.
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