Steven Uhly

Die Summe des Ganzen

Roman
Cover: Die Summe des Ganzen
Secession, Berlin 2022
ISBN 9783966390484
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Madrid, in der Gegenwart: Zwei Menschen begegnen einander im Beichtstuhl einer kleinen Pfarrkirche am nordöstlichen Rand der Stadt, der eine ein Priester, der andere ein junger Mann, der offenbar schwer unter einer Sünde leidet, die er kaum auszusprechen vermag. Er flieht aus dem Beichtstuhl, kehrt aber am Folgetag zurück. Die immer intensiver werdenden Gespräche der beiden zeichnen allmählich ein Bild dessen, was diesen 'Sünder' tatsächlich quält. Die doppelte Abgründigkeit seiner Beichte zieht auch den Priester in die Kluft zwischen Wort und Tat und den Leser unweigerlich in einen Sog aus Fragen, die jeden einzelnen von uns betreffen: Ist unsere Liebe wirklich so selbstlos, wie wir glauben? Wie stark bedingen traumatische Ereignisse der Kindheit unsere Gefühlswelt? Wie sehr leiten ungelöste Probleme unser Handeln? Welche Macht übt die Gesellschaft aus, indem sie bestimmte Wirklichkeiten tabuisiert?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2022

Steven Uhly macht es sich nicht gerade leicht, wenn er in seinem neuen Roman ausgerechnet von einem pädophilen Priester erzählt, das gefällt Rezensentin Christiane Lutz schon mal gut. Aber dass es ihm tatsächlich auch gelingt, von einem solch problematischen Protagonisten zu erzählen, ohne Würgreflexe auszulösen, das imponiert ihr wirklich. Uhly erzählt von Padre Roque de Guzmán, der am Stadtrand von Madrid die kleinen Sünden seiner Schäfchen verzeiht, aber dann in Gewissensqualen gestürzt wird, als ein Mann seine pädophilen Neigungen zu einem Nachhilfeschüler beichtet. Der Padre sieht sich mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert. Mitunter wird es der Rezensentin zu religiös, aber wie Uhly in seinem Kammerspiel Schuld, Verantwortung und Freiheit diskutiert, findet sie meisterlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2022

Rezensentin Sandra Kegel staunt, wie knapp und präzise Steven Uhly die Versuchsanordnung einer Täter-Opfer-Verstrickung in einem Missbrauchsfall darstellt und analysiert. Für den Leser wird der Beichtstuhl, in dem sich in der Novelle Unerhörtes ereignet, zum Krimitatort, meint Kegel. Die kammerspielartige Anlage des Textes überträgt die sich steigernde Beklemmung laut Kegel auf die Leserin. Das sich zwischen dem Beichtvater und dem Büßer sprachlich entspinnende Gewebe aus Manipulation, Täuschung und Macht führt zu Überraschungen, erklärt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.08.2022

Rezensentin Sigrid Brinkmann staunt über die Komplexität des Romans von Steven Uhly. Indem der Autor den Rachefeldzug eines Missbrauchten gegen einen Priester schildert, lotet der Autor laut Brinkmann das Grauen des Missbrauchs wie die moralischen Untiefen der Rache gleichermaßen aus. Minutiös, aber knapp stellt Uhly den Prozess einer Verführung im Namen der Vergeltung dar, in dem es keine Gewinner gibt, keine Erlösung. Dass der Autor ans Ende seines politisch aktuellen Buches dennoch einen Hoffnungsschimmer setzt, empfindet die Rezensentin als große Erleichterung.

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