Der Schweizer Psychiater August Forel (1848-1931), von 1879 bis 1898 Direktor der psychiatrischen Heilanstalt Burghölzli in Zürich und Professor für Psychiatrie, wandte bei Patienten und Pflegepersonal die damals umstrittene Hypnosetherapie an. Im Kontext seines therapeutisch-wissenschaftlichen und gesellschaftspolitisch-weltanschaulichen Engagements zeigte sich der Hypnotismus als Teil eines umfassenden biopolitischen Programms. Mit Hypnose wollte Forel direkt die cerebralen Prägungen gemäß seiner Heilungsmaßstäbe umschreiben. Das plastische Gehirn und seine erblichen Anlagen standen dabei im Zentrum seiner Bemühungen, den 'Wert' zukünftiger Generationen zu beeinflussen. Dank sozialtechnologischer Intervention entschied sich für ihn im Gehirn die Entwicklung der Menschheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2015
Mit gemischten Gefühlen hat Rezensent Andreas Mayer Mirjam Bugmanns unter dem Titel "Hypnosepolitik" erschienenes Buch über den Schweizer Psychiater August Forel gelesen. Der Kritiker lobt die gründliche Recherche der Historikerin, die in ihrem Buch nachweist, dass Forel zwar die ganze Macht des Hypnosearztes ausschöpfte, aber bei weitem nicht so viele erfolgreiche Hypnotisierungen vornahm, wie seine Memoiren glauben machen wollen. Während Mayer interessiert nachliest, wie Bugmann Forels Suggestionstechnik in größeren Kontexten, etwa im gehirnphysiologischen Zusammenhang verortet, zeigt er sich mit einigen Schlussfolgerungen der Autorin nicht einverstanden. Darüber hinaus hätte sich der Rezensent neben der kurzen Diskussion über die Differenzen zwischen Forel und den Psychoanalytikern eine systematische Gegenüberstellung zwischen Forels Werk "Die sexuelle Frage" und Freuds im selben Jahr erschienenen "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" gewünscht.
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