Herausgegeben und kommentiert von Rainer Marwedel. Theodor Lessing studierte in den Jahren 1906/ 07 in Göttingen Philosophie bei Edmund Husserl und arbeitete zu dieser Zeit neben seinem Studium als Theaterkritiker für die Göttinger Zeitung. Seine Göttinger "Nachtkritiken", die hier erstmals in Buchform erscheinen, dokumentieren den Wandel in der Bewertung des kulturellen Leitmediums Theater im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg. Neben den Artikeln für die Göttinger Zeitung enthält der vorliegende Band weitere Schriften Lessings, unter anderem über das Theater sowie seine psychologisch-medizinische Studie "Über Hypnose und Autosuggestion". Lessings Gedanken zu den künstlerischen, und psychologischen Reformbewegungen um 1900 spiegeln - in einer Momentaufnahme der Jahre 1906/ 07 - die tiefgreifende Umbruchsituation des kulturellen Systems im Deutschen Reich wider. Die Edition präsentiert die Texte Lessings in der Chronologie ihres Erscheinens nach den Erstdrucken. Der ausführliche Kommentar liefert Angaben zum Druck sowie zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Texte und erläutert zeitgeschichtliche, politische und kulturgeschichtliche Hintergründe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.09.2006
Theodor Lessing habe zwar in der Provinz seine frühen Theaterkritiken geschrieben, lobt Rezensent Oliver Pfohlmann, doch könnten sie es mit der damaligen Berliner Theaterkritik leicht aufnehmen. Als Husserl-Schüler habe Lessing eben gelernt, genau zu beobachten und beschreiben. Meistens zum Leidwesen der Schauspieler wie beispielsweise der Schwester von Thomas Mann, Carla Mann. Interessant seien die Kritiken aus den Jahren 1906/07 aber vor allem deshalb, weil damals mit einem neuen Theaterdirektor auch die Moderne nach Göttingen gekommen sei. Auch sei es heute kaum mehr vorstellbar, welche gleichsam erlösende Bedeutung man damals dem Theater zusprach.
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