Monica Ali

Liebesheirat

Roman
Cover: Liebesheirat
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2022
ISBN 9783608984989
Gebunden, 592 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dorothee Merkel. Yasmin Ghorami ist sich sicher: Mit Joe Sangster hat sie den Mann fürs Leben gefunden. Doch als der Hochzeitstermin näherrückt und Yasmins Eltern auf die unkonventionelle, feministische Mutter von Joe treffen, wirbeln ungeahnte Geheimnisse Yasmins strukturiertes Leben durcheinander. Was als tragikomischer Liebesroman beginnt, entwickelt sich zu einer bewegenden Geschichte über Menschen aus zwei Kulturen, die versuchen, einander zu verstehen. Yasmin und Joe haben große Pläne für die Zukunft. Doch bevor es für die beiden angehenden Ärzte ans Heiraten geht, steht das erste Kennenlernen ihrer Familien an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.07.2022

Rezensentin Petra Pluwatsch amüsiert sich bestens mit Monica Alis neuem Roman. Die Geschichte handelt von der streng konservativen, islamischen Familie Ghorami, deren Tochter eine Beziehung eingeht mit dem Sohn einer britischen Ikone der sexuellen Befreiung. An der Oberfläche als "Culture-Clash-Story" angelegt, verhandelt die Geschichte sehr viel mehr, stellt Pluwatsch bald fest. Die Fassaden beider Familien bekommen nämlich schnell Risse, spätestens dann, wenn sexuelle Begierden und ein Familiengeheimnis zum Vorschein kommen, resümiert die Rezensentin. Wie Ali davon erzählt, ohne viel Aufhebens, aber facettenreich und mit Witz, findet Pluwatsch bemerkenswert. Nicht zuletzt nimmt die Autorin den Rassismus der britischen Gesellschaft in den Blick, erkennt Pluwatsch die vor allem über die Spitzen gegen den Rassismus "erklärter Antirassisten" schmunzelt.


Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.04.2022

Rezensentin Gisa Funck hält Monica Alis neuen Roman für eine "Jane-Austin-Adaption fürs multikulturelle 21. Jahrhundert", was sie ausführlich erklärt: es geht um Yasmin und Joe, zwei Mediziner*innen, die anlässlich ihrer Verlobung ihre Familie zusammenbringen und einen schlimmen Aufprall verschiedener Kulturen befürchten, denn Yasmins Eltern leben konventionell als muslimische Einwanderer aus Indien, während Joes weiße alleinerziehende Mutter radikalfeministische Ansichten in Büchern verbreitet, doch der Clash bleibt aus, die Mütter werden zu Freundinnen und die Protagonistin plagen neue Sorgen darum, ob sie tatsächlich den richtigen Lebenspartner gefunden hat, resümiert Funck. Die für die Rezensentin offenkundigen Bezüge zu Jane Austen, bestätige die Autorin selbst. Vor allem aber wolle Ali mit dieser "sechshundertseitigen Liebeschronik" gängige Klischees und Vorurteile über Identitäten abbauen, stellt die Rezensentin fest. Die Charakterwandlungen, die die Figuren dafür durchlaufen, überzeugen die Rezensentin aber nicht immer und dass die Autorin im selben Zug noch sämtliche andere Themen aktueller Gesellschaftsdebatten wie Pflegenotstand, Brexit und Burn-out unterbringt, ist der Rezensentin schlichtweg zu viel und auch die teils stark vereinfachte wenig poetische Sprache können sie nicht überzeugen. Weglegen konnte Funck diesen "Pageturner" trotzdem nicht, was sie dem "warmen Humor" und dem "menschenfreundlichen Grundsound" der Erzählung zuschreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2022

Rezensent Tobias Döring verdankt diesem Roman einen großen Zugewinn an "Weltkenntnis". Nicht weniger hymnisch fährt der Kritiker fort: Die Geschichte um die Ärztin Yasmin, Tochter einer bengalischen Immigrantenfamilie und Joe, Sohn einer arrivierten linksliberalen Mutter, die ihre Hochzeit planen, beginnt zunächst als gewöhnliche Culture-Clash-Komödie, um dann schnell Fahrt aufzunehmen. Der Kritiker blickt in die Abgründe der Familien, bewundert eine Typenkomik à la Charles Dickens und eine "dezente Erzählironie" à la Jane Austen und ist ganz verzaubert von dem sehr britischen Humor, mit dem Ali harte Themen anpackt. Die szenischen, dialogreichen Kapitel, Dorothee Merkels vorzügliche Übersetzung und der Mix aus Spannung, Einfühlungsvermögen und Witz tragen zu Dörings unbedingter Leseempfehlung bei.
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