Mit circa 50 Schwarzweißabbildungen. Gegen jede Art von Fremdbestimmung aufbegehren - das ist das Lebensthema von Arno Gruen. Am 26. Mai 1923 als Sohn einer staatenlosen Russin und eines polnischen Sozialisten in Berlin geboren, erfährt er früh, wie Gehorsam und Unterwerfung Menschen entmenschlichen können. Mit knapper Not entkommt die jüdische Familie 1936 über Warschau, Kopenhagen nach New York. Er wird Psychoanalytiker und lernt die intellektuelle Szene der Metropole kennen. In den siebziger Jahren führt ihn sein Weg zurück nach Europa. Bis heute ist er in Zürich als Therapeut und Publizist tätig. Im Zentrum seines Denkens steht der Mensch und dessen Deformationen durch Sozialisierung und Erziehung: Menschen sind nicht von Natur aus schlecht, so sein Grundgedanke. Es sind die Kulturen, nicht zuletzt die westlichen, die Selbstverrat und Hass hervorbringen. Kein Psychoanalytiker hat seine tiefenpsychologischen Untersuchungen so unbeirrbar mit einer grundsätzlichen Zivilisationskritik verbunden wie Arno Gruen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2008
Nicht wirklich zufrieden ist Sabine Fröhlich mit Monika Schiffers Porträt Arno Gruens. Zwar schätzt Fröhlich den unkonventionellen und widerständigen Psychotherapeuten sehr. Ausführlich rekapituliert sie die wichtigsten biografischen Stationen und hebt die Motive des Fremdseins in dessen Lebensgeschichte hervor. Dennoch hätte sie sich von der Autorin mehr Distanz zu ihrem Gegenstand gewünscht. Schiffer porträtiere Gruen "im Ton einer persönlichen Hommage". In diesem Zusammenhang kann ihr Fröhlich nicht den Vorwurf ersparen, auf jede "kritische Nachfrage" gegenüber Gruens Werk zu verzichten. Sie hält ihr zudem vor, seine Bücher lediglich zu paraphrasieren, was der Biografie Spannung nimmt.
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