Earth to Moon
Aus dem Schatten meines Vaters zu mir selbst - Erinnerungen

Heyne Verlag, München 2024
ISBN
9783453274099
Gebunden, 416 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Iris Hansen, Teja Schwaner, Karolin Viseneber und Daniel Müller. Mit Abbildungen. "Wie heißt es so schön? Der Mensch plant und Gott lacht. Oder er schenkt dir eine unkonventionelle, berühmte Familie und ganz zufällig eine Hit-Single, obwohl du nicht einmal Musikerin bist. Oder er tritt dir psychologisch, emotional, beruflich und juristisch so lange in den Hintern, bis du wieder unter den liebenden Lebenden landest, oder wie auch immer man das ausdrücken mag. Aber zu alldem werde ich noch kommen …"Für Moon Unit Zappa war die Aufarbeitung eines so traumatisierenden Lebens, das von den Launen des kreativen Genies, dem Kult der Popkultur, dem Kalkül der Berühmtheit und von zerbrechender Liebe geprägt war, sehr oft aufreibend und verletzend, mitunter erhellend. Wenn Moon Unit Zappa vom über das Aufwachsen im überlebensgroßen Schatten von Frank Zappa erzählt, entführt sie die Leser*innen in eine mythische Zeit: in die sexuell freie, wilde Welt des Topanga Canyon, dem Hippie-Himmel Kaliforniens der 1970er Jahre. Doch sie erzählt auch von sich selbst als junger Frau, die es schafft aus dem Schatten und dieser Vergangenheit herauszutreten und davon zu zehren, statt davon verzehrt zu werden.Moon Unit findet für jeden Lebensabschnitt einen eigenen erzählerischen Stil, eine Musik, einen Ton - konstant bleibt eine junge verletzliche Frau, die versucht, mit den verwirrenden, sich ständig verändernden Ansprüchen ihrer Familie und an sich selbst zurechtzukommen. Moon ist es auch, die es schafft, all diese Widersprüche durch Anmut, Bescheidenheit und Akzeptanz ihrer Traumata aufzulösen. Es ist ihr tiefer Sinn für Humor und inneren Frieden, der sie ankert, mit dem sie immer wieder zu sich selbst zurückfinden kann, wenn sie verloren ist.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 18.09.2024
Das Märchen von Frank Zappa als liebevollem, kreativem Familienvater, wird für Rezensent Michael Pilz mit dem Buch seiner ältesten Tochter Moon zu einer "düsteren, fast schon Grimmschen Gutenachtgeschichte." Denn nicht nur zeigt Moon, dass das Familienidyll, das der Musiker in der Öffentlichkeit behauptete, an der Realität vorbeiging. Sie zeigt, dass zwischen den Zappas eine so vergiftete Atmosphäre herrschte, dass es teilweise für den Leser schwer erträglich wird, von ihren Erlebnisse zu lesen. Der Musiker beschäftigt sich kaum mit den Kindern und ihren Bedürfnissen, besteht darauf, dass sie bis er um 17 Uhr ausgeschlafen hat, still sind, resümiert Pilz. Die Liebesbeziehung mit seiner Frau ist toxisch, er betrügt sie - sie lässt ihre Wut auf brutale Weise an den Kindern aus. Ergo sind die Zappas mitnichten eine harmonische Familie, eher eine WG" für psychosoziale Sonderfälle", so der Rezensent. Selbst auf dem Sterbebett noch, verweigert der Vater seiner Tochter die Anerkennung. Und, stellt Pilz klar, bevor jetzt Fans von Zappas Musik Stunk machen: Es geht in diesem Buch überhaupt nicht um die Musik, und eigentlich auch gar nicht um Zappa selbst, sondern vor allem um die Dekonstruktion eines jahrelang erzählten Märchens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2024
Einblicke in eine dysfunktionale Familie ermöglicht Rezensent Jean-Martin Büttner Moon Unit Zappas Buch. Die Tochter Frank Zappas beschreibt darin ihre Herkunftsfamilie, die weitgehend von Entfremdung und den zahlreichen Affären des Vaters geprägt war. Die Kinder sahen Vater Zappa, der am liebsten allein im Keller saß und komponierte, kaum, erfährt Büttner von seiner Tochter, die Mutter wiederum war frustriert von den andauernden Seitensprüngen ihres Mannes und lies diesen Frust an den Kindern aus. Damit widerspricht Moon Unit Zappa dem Image ihres Vaters als eines nonkonformistischen Freigeistes, erläutert Büttner entlang der Lektüre, tatsächlich beutete er insbesondere seine Frau aus, wenn er, der selbst nicht Autofahren konnte, ihre Dienste als Chauffeurin in Anspruch nahm und sich von ihr managen ließ. Voyeuristisch ist dieses Buch nie, stellt Büttner klar, vielmehr schreibt Zappa hochgradig intelligent und reflektiert, kritisch gegenüber sich und anderen. Eine lohnende Lektüre, so das Resümee.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2024
Rezensentin Marlene Knobloch trifft sich mit Moon Unit Zappa, der ältesten Tochter von Frank Zappa, um mit ihr über deren Memoiren zu sprechen, die vom schwierigen Familienleben mit einem Rockstar-Genie erzählen. Knobloch berichtet von einem Auftritt des Vater-Tochter-Gespanns in der Letterman-Show, anhand dessen sie dank der Memoiren nun verstehen kann, unter welchem Druck die damals 14-jährige stand, dem Übervater gefallen zu wollen. Auch die Eifersucht ihrer Mutter, Bon Jovi als erster Schwarm und das Ego des Vaters kommen zur Sprache, erfahren wir. All das ist aber der Rezensentin zufolge nicht einseitig und nur voll schwerer Traumata, sondern auch geprägt von der Liebe und Bewunderung des Vaters und zeigt so frei nach Tolstoi, "wie die Familie Zappa auf ihre sehr eigene Weise unglücklich war."