"Salam, hier schreibt Ali-Reza. Ich kannte ihre Mutter gut und verfüge über einen Brief, den ich Ihnen überreichen soll. Es ist wichtig. Für Sie mindestens so sehr wie für mich." Ali Najjar glaubt, seine Vergangenheit weit hinter sich gelassen zu haben. Er ist längst in Deutschland angekommen, als Produktdesigner erfolgreich. Der Iran, Teheran, seine Familie sind für ihn eine fremde Welt. Dann erreicht ihn die Nachricht eines Unbekannten. Und alles, woran er bislang festgehalten hat, gerät ins Wanken.
Für Melanie Weidemüller etabliert sich Nava Ebrahimi mit ihrem zweiten Roman in der Gegenwartsliteratur. Wie die Autorin anhand eines iranischstämmigen Stardesigners deutsch-iranische Beziehungen, den Irak-Iran-Krieg und das Thema verdrängte Schuld behandelt, findet sie gelungen. Sowohl das Mullah-Regime der Achtziger wird für sie deutlich als auch die neue, glitzernde Lebenswelt des Protagonisten, den ein Brief seiner verstorbenen Mutter an seine Vergangenheit erinnert. Ein Buch voller tragisch verstrickter Schicksale und über Vorurteile und westliche Doppelmoral, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.02.2020
In diesem Roman lässt Nava Ebrahimi die glatte Hipster-Welt eines Münchner Designstudios mit der brutalen Geschichte der Länder rund um den Persischen Golf kollidieren, erzählt Rezensent Norbert Mappes-Niedick, tief beeindruckt, dass die Autorin beide Welten gleichermaßen klischeefrei erfasst und beschreibt. Der neue Chef des Studios, ehemals Kindersoldat im ersten Golfkrieg, begibt sich mit einem Mitarbeiter, der seinen iranischen Vater nie kennengelernt hat, auf eine Reise nach Dubai und trifft dort auf einen Mann, der trotz ähnlich grausamer Erfahrungen in seiner Heimat geblieben ist, erzählt der Kritiker. Hier werden die drängendsten Fragen nach Verantwortung, Identität, Fremdheit und Ignoranz gestellt, lobt Mappes-Niedick. Brandaktuelle Weltliteratur, versichert er.
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