"Linoleum-Thais" und "Kuckucksuhren-Osteuropäer", Iraner mit Rolex und Kubaner mit Kapuzenshirt - Marko Martin reist um die Welt, flaniert durch Berlin und lässt sich mitnehmen, aufpicken, abschleppen. Der Blick in die Wohnungen, in die Schlafzimmer fremder Länder fördert manche Wahrheit zutage, die sexuellen Gewohnheiten, Lebenslügen und Sehnsüchte seiner Dates erst recht: "Aber wovon sie alle schwärmen, alle, ist Tel Aviv. Stell dir vor, ausgerechnet das verbotene, ihnen unzugängliche Tel Aviv, der Traum von nackten Israeli-Soldaten."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2016
Rezensent Dirck Linck hätte sich weniger Ressentiment gewünscht in Marko Martins Cruising-Erzählungen. Die Nöligkeit des Protagonisten, der sich an seine Eroberungen erinnert und nebenher gegen Dicke, 68er und Kommunisten wettert, geht ihm auf die Nerven. Dabei gefällt dem Rezensenten das Heraufbeschwören der erotischen Streifzüge durch Berlin und die Welt ganz gut, bietet ihm der Autor doch neben dem gekonnt am Pornografischen vorbeischrammenden Sex im Buch Szenen aus der globalisierten Welt, Migrationsbiografien und die vielen kleinen Nebensächlichkeiten des Aktes selbst: den Hund neben dem Bett, Möbel, Bodenbeläge, Phrasen. Für Linck eine Wahrnehmungskunst, die die Beziehung zwischen Menschen und Menschen und Dingen auslotet und die Sexszene in die Unruhe des Ereignishaften, ins Erzählbare steuert.
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