Sommer 24
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446285767
Gebunden, 160 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Das scheinbar Unversöhnliche versöhnen und das wirklich Unversöhnliche aushalten - Wie ist es, wenn sich die vertraute Welt auflöst, wenn das, was gestern noch normal war, heute nicht mehr gilt? Navid Kermani fängt diesen Moment in einem einzigen Sommer ein: Ein Freund, der zuletzt politisch auf Abwege geraten war, hat sich das Leben genommen. Die Kriege rücken näher und die Debatten werden schriller. Seine Freundin hält den Erzähler für einen Macho, aber das bleibt bei weitem nicht der schlimmste Vorwurf, der sein Selbstbild erschüttert. Navid Kermani gelingt es, unsere Gegenwart aus ihren Widersprüchen heraus zu begreifen, das scheinbar Unversöhnliche zu versöhnen und, wichtiger noch, das wirklich Unversöhnliche auszuhalten.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 01.04.2026
Gleichzeitig inspiriert und ratlos lässt dieser Roman Rezensentin Shirin Sojitrawalla zurück. Navid Kermani beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit dem Jahr 2024, wobei sich Realgeschichte und Fiktion mischen, es geht um Trump und Israel, gleichzeitig liest sie aber auch fiktive Episoden, die den Erzähler unter anderem nach Hydra führen, zu einer Hochzeitsfeier. Der Erzähler hat, stellt Sojitrawalla klar, einige Ähnlichkeit mit Kermani, er ist ebenfalls Schriftsteller und beschäftigt sich, wie Kermani zuletzt, viel mit Thomas Mann, streckenweise ist der Roman auch im Mann-Stil geschrieben. Worum es Kermani genau geht, kann die Rezensentin nicht ausmachen vor lauter Verweise auf dieses und jenes. Aber Sojitrawalla macht das dem Buch letztlich nicht zum Vorwurf, sondern lässt sich mit einiger Sympathie auf den abwechslungsreichen Schreibfluss Kermanis ein.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 21.02.2026
Den neuen Roman von Navid Kermani nennt Rezensentin Meike Feßmann unumwunden "missglückt", obwohl sie den Autor ansonsten sehr schätzt: Er hatte sich vorgenommen, die Fast-Gegenwart des Sommers 2024 einzufangen, die "Beschleunigungsmaschine namens Gegenwart". Er ist gerade dabei, seine Rede für den Thomas-Mann-Preis zu schreiben, aber hört im Deutschlandfunk eine katastrophale Nachricht zur Weltlage nach der anderen, webt Privates ein, dessen Zusammenhang zur politischen Situation sich für Feßmann nicht ganz erschließt. Die Form des Buches zwischen politischem Lagebericht, Hochzeit der Tochter, die Verschiebung von (menschenfeindlichen) Aussagen Sibylle Lewitscharoffs auf einen jüdischen Galeristen und Gegenwartsreportage geht für Feßmann leider gar nicht auf. Seine von ihr ansonsten gelobte Vielseitigkeit taugt hier eher zur Verwirrung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.02.2026
Rezensent Hilmar Klute hätte wohl wenig Spaß als Figur in einem Roman von Navid Kermani, ständig wird man hier vom Erzähler belehrt, korrigiert, gewarnt und weg von den Abgründen, zurück auf die ungefährliche, die politisch-korrekte Bahn gelenkt. Noch weniger Spaß allerdings hat Klute als Leser desselben Romans. Kermani ist vieles: ein versierter und verantwortungsbewusster "Public Intellectual", ein Autor exzellent recherchierter Reportagen und ein begabter Essayist. Ein guter Romanautor ist er - bisher - nicht. Das Buch des ereignis- und folgenreichen Jahres 2024 soll "Sommer 24" sein, lesen wir. Klute sieht darin vor allem eine Anhäufung bedeutender politischer Ereignisse, lose verbunden durch das Alltagsleben des Autors und Erzählers Kermani, der zwei große Probleme hat. Erstens: er kann sich nicht entscheiden, was zu erzählen sich lohnt, überfrachtet seine Erzählung ergo mit Zeitgeschichte, unter deren Gewicht ihm dann zweitens, die Werkzeuge versagen. Die Sprache zum Beispiel: "Power-Point-Rhetorik" sagt Klute dazu. Auch das Figuren-Ensemble wirkt hastig zusammengeschustert und nach einem Spannungsbogen sucht man hier vergebens. Interessant wird der Text an der einen Stelle, an der sich einmal ein Abgrund auftun darf, den Erzähler-Kermani nicht direkt mit PC-Phrasen einzuhegen herbeieilt. Im Übrigen beschreibt der Rezensent seine Leseerfahrung mit den Adjektiven: "mühsam", "ärgerlich" und "furchtbar langatmig".