Aus dem Katalanischen von Michael Ebmeyer. In "Der Geruch von verbranntem Eukalyptus" erzählt Ennatu Domingo aus ihrem Leben als Mädchen im ländlichen Äthiopien, ehe sie nach dem Tod der Mutter und des Bruders als Siebenjährige Anfang der 2000er-Jahre von einer katalanischen Familie adoptiert wird. Als Erwachsene lässt ihr die Frage nach den Ursachen für das Elend der äthiopischen Landbevölkerung, vor allem der Frauen, keine Ruhe. Zugleich ergründet sie für sich, wie es ist, mit mehr als einer Identität zu leben, und was es bedeutet, die Sprache der eigenen Kindheit zu verlieren und zurückzugewinnen. Die Autorin zeigt uns, was eine nomadische Existenz bedeutet, und nimmt uns mit auf eine Reise durch verschiedene, ineinander verwobene Erzählebenen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.11.2024
Gebannt liest Kritikerin Katharina Döbler in Ennatu Domingos Buch über deren Lebensgeschichte: Sie ist in eine arme äthiopische Familie hineingeboren worden, ihre Mutter und ein Bruder sind an Aids gestorben, daraufhin ist sie im Alter von sieben Jahren von einer Familie aus Barcelona adoptiert worden. Das Buch wechselt zwischen lebendigen Kindheitsszenen am Eukalyptusfeuer und Statistiken einer äußerst schmerzhaften Realität von Armut, Bürgerkrieg und mangelnden Frauenrechten, "ungewöhnlich", so Döbler, all diese Facetten in einem Text zu sehen. Aber es geht absolut auf: Die Rezensentin kann eine Menge lernen über Äthiopien, aber auch über die Suche der Autorin, die heute Politikwissenschaftlerin in den Niederlanden ist, nach ihrer Identität zwischen Europa und Afrika, zwischen allen Diskrepanzen von Bildung und Vermögen, wie sie resümiert.
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