Äthiopien 2020, am Vorabend des Krieges: Josef Trattner, Ausgrabungsleiter im Norden des Landes, verschlägt es an die Grenze zum Südsudan. In der winzigen Siedlung Surma Kibish begegnet er Natu, einer Frau mit abgerissenem Ohrläppchen - und einer Aura von Schönheit, Stärke und Gefahr, die ihn sogleich in ihren Bann zieht. Aber dann wird er Zeuge, wie Natu öffentlich mit Stockhieben gezüchtigt wird. Als sie am nächsten Tag plötzlich in seinem Wagen sitzt, wähnt er sich bereits auf der Flucht, mit ihr zusammen, in ein neues Leben. Doch unerbittlich bahnt sich ihrer beider Verhängnis an - das alte Leben fordert seine Rechte und setzt alles daran, Natu zurückzubringen an den Ort ihrer Niederlage.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2023
Abenteuerromane mit beigefügten Landkarten hat Rezensent Tobias Döring lange nicht mehr gelesen, bei Matthias Politycki kann er jetzt eine anregende, aber nicht problemfreie Mischung von Reiseliteratur, Ethnofiktion und "Kolonialklischees" lesen. Der Roman ist in Äthiopien angesiedelt, ein Land, das nach wie vor von Problemen verschiedenster Couleur geprägt ist, im Fokus steht der geschasste Wiener Leiter eines Forschungsprojekts, der zum Abschluss seines Afrikaaufenthalts das "echte Afrika", die Grenzregion Äthiopiens zum Südsudan bereisen will. Die ersehnte Fremdheit findet er dort unter anderem in Gestalt einer Frau, deren Sprache er nicht spricht und die er im Auto mitnehmen soll. "Kolonialfiktionen" nennt Döring das. Kann man fragwürdig finden, erklärt er, aber seiner Meinung nach gelingt es Politycki, die Stereotype produktiv zu machen und klug zu konterkarieren. Denn der Protagonist versteht gar nichts. Was ihm die Dolmetscher korrekt übersetzen und was nicht, was wahr und was erfunden wurde - wer weiß es? Klar wird nur, was der Protagonist sehen kann: einen Sonnenuntergang oder einen Aluminiumeimer, da stellt dann auch der Autor seine Sprache scharf. "Packend", findet Döring.
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