Navid Kermani

Sozusagen Paris

Roman
Cover: Sozusagen Paris
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446252769
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein Schriftsteller hat einen Roman geschrieben über die große Liebe seiner Jugend. Nach einer Lesung steht eine Frau vor ihm, die er nicht erkennt. Aber sie ist es trotzdem. Er ist jetzt Autor, sie ist seine Romanfigur - und aus dem jungen Mädchen von damals ist ganz offensichtlich eine interessante, auch anziehende, aber verheiratete Frau geworden. Die Situation wird etwas komisch: Man setzt sich zusammen, trinkt ein Glas Wein, redet über französische Liebesromane, fragt sich, was man von der Liebe erwartet, wenn man älter geworden ist, Juttas Mann sitzt im Nebenzimmer - wie soll das alles enden?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Navid Kermani kehrt zum Personal seines Romans "Große Liebe" zurück - und aufs Neue schillert aus dem Text das Spiel mit der eigenen Autobiografie, erklärt Rezensentin Meike Fessmann. Wieder begegnet man Jutta, der ersten Liebe des Ich-Erzählers. Die hat sich in ihrer Ehe eingerichtet, eine Wiederbegegnung mit dem Erzähler lässt diesen auf eine erotische Episode hoffen - doch statt dessen kommt es zu einem langen Gespräch, in dem der Erzähler, selbst ein Schriftsteller, bald Material für die eigene Arbeit wittert. Kermani schildert dabei einer De-Illusionierung, je mehr der Ich-Erzähler Einblick gewinnt ins Eheleben der einst Geliebten, schreibt die Rezensentin. In ihren Augen scheitert "Sozusagen Paris" jedoch am "doppelten Präsens" der Erzählung: Parallel zur Geschichte laufen Kommentare mit, sogar der Lektor des Textes mache sich bemerkbar, durchsetzt sei der Roman zudem mit literaturhistorischen Exkursen, was den Roman spürbar hemme. Auch der Ich-Erzähler selbst habe als geschiedener "Protokollant einer fremden Ehe", seine liebe Not, seine Schilderungen auf Trab zu halten. Die Rezensentin rät daher zu Arno Geigers "Alles über Sally", der als der geglücktere Roman zum Thema anzusehen sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2016

Rezensent Jan Wiele kommt aus dem Gähnen gar nicht heraus mit Navid Kermanis Versuch über die Liebe. Außer zu einer verquatschten Nacht auf dem Sofa der Angebeteten und jeder Menge professoraler Proust- und Balzac-Exkurse kommt der Roman laut Wiele leider zu keinem Höhepunkt. Kermanis Sprache, meint Wiele, ist eher Aktenkellerniveau. Und so bleibt die Beschreibung anmutiger Interaktion zwischen zwei Menschen leider etwas, das der Rezensent selber besorgen muss. Kurze verheißungsvolle Momente im Text, meint Wiele, münden alsbald in ermüdender Hirn- und Herzzergliederung.
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