Herausgegeben und mit einem Nachwort von Roger Perret. Mit zahlreichen Fotos sowie Dokumenten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2004
Das Zeugnis einer doppelten Reise nach Kabul - die Annemarie Schwarzenbachs und Ella Maillarts 1939 und die Nicolas Bouviers und Thierry Vernets 1953 - hat Rezensentin Tanya Lieske in ein Afghanistan entführt, das es so nicht mehr gibt. Die Zusammenschau dieser beiden Fahrten, die der von Roger Perret herausgegebene, zweisprachige Bildband unternimmt, porträtiert das Land aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, berichtet Lieske: Die beiden Frauen unternahmen die Reise, um eine Reportage zu schreiben - ihre Bilder entstanden somit als Illustrationen und zeigen Baukunst, Handwerk und Nomadenstämme. Die Männer dagegen verstanden die Fahrt als Initiationsreise in das Fach des Bohemians, Flaneurs und Schriftsteller, so die Rezensentin, weshalb Bouvier sich gern selbst abbildete und seine Bilder "gefälliger" und sanfter sind als die Schwarzenbergs und Maillarts. Den Fotografien hat Perret Textauszüge der beiden Frauen und Bouviers, die alle drei später zu einiger Berühmtheit als Reisschriftsteller und Fotografen kamen, zur Seite gestellt. Der Bildband beeindruckte Lieske so auch als doppelte Dokumentation: eine über die Reisenden und eine über eine "vergangene Epoche" Afghanistans.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2003
Roman Bucheli ist fasziniert von diesem Bildband über zwei ausführlich in Bild und zweisprachigem Text dokumentierte Reisen zu nomadischen Völkern in der afghanischen Bergwelt. Die erste Reise machten Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart Ende der 1930er Jahre, die zweite unternahmen Nicolas Bouvier und Thierry Vernet 1953. Beide Reisebeschreibungen zusammen, so Bucheli, führen zu einer "mehrstimmigen Variation über ein Thema: der sich in Sehnsucht verzehrende Existenz des Reisenden". Die Ironie dabei ist nach Ansicht des Rezensenten, dass der von den Reisenden beklagte Einbruch der Moderne in diese sich Jahrhunderte entfernt anfühlende Welt natürlich auch von den mit dem Auto reisenden Europäern selbst herbeigeführt wird. Dennoch findet unser Rezensent die Melancholie der Fotografien stimmig, da sie sich nicht nur aus dem Umstand speise, dass die abgebildeten Lebensformen in Auflösung begriffen sind. Sie beziehe sich auch darauf, dass es schon damals eine zerstörte Vergangenheit gab: "Gewiss, ihre Gesichter erzählen von einer Gelassenheit, die den Tag nicht in Minuten zerstückelt. Zu oft aber stehen sie vor zerfallenen Mausoleen und Zitadellen: monumentale, verstummte Zeugen einer toten Vergangenheit."
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