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Nicolas Bouvier

Die Erfahrung der Welt

Cover: Die Erfahrung der Welt
Lenos Verlag, Basel 2001
ISBN 9783857873249
Gebunden, 440 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Trude Fein. Mit einem Nachwort von Gerald Froidevaux. Dieser Text ist das Ergebnis einer fast zweijährigen Reise, die der Genfer Schriftsteller und Fotograf Nicolas Bouvier mit dem Maler Thierry Vernet 1953/54 unternahm. Die beiden Freunde fahren mit einem Fiat Topolino "in sehr gemächlichem Tempo" über den Balkan, die Türkei und Iran nach Afghanistan. Sie nehmen sich Zeit für die Entdeckung eines ebenso archaisch wie surreal anmutenden Kulturraums.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2002

1953 brach der Schweizer Schriftsteller und Journalist Nicolas Bouvier, damals 24 Jahre alt, zusammen mit dem Zeichner Thierry Vernet zu einer zweijährigen Reise in einem "rachitischen" Fiat Topolino nach Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Iran und Afghanistan auf. Seine Erlebnisse und Eindrücke, Porträts und Charakterskizzen veröffentlichte er erstmals 1960, berichtet Georg Sütterlin. Diese Aufzeichnungen findet der Rezensent ironisch, sympathisch, subtil und teilweise mutwillig übertrieben. Insbesondere Bouviers Beschreibungen von Afghanistan, dessen Bewohner, Klima und Landschaft es dem Abenteurer besonders angetan hatten, lassen das Herz des Rezensenten höher schlagen. 1980 erschien "Die Erfahrung der Welt" erstmalig im Deutschen und ist für die vorliegende Ausgabe neu ediert worden. Ärgerlich ist Sütterlin über die offensichtlichen "Schnitzer" in der Übertragung und unverständlich erscheint ihm auch, dass der Verlag die Tuschzeichnungen von Vernet nicht in diese Ausgabe aufgenommen, sondern stattdessen weniger imposante Fotos von Bouvier abgedruckt hat. Schade, denkt der Rezensent, denn schließlich sei diese spannende Reise ein Gemeinschaftsunternehmen gewesen, und da hätte es nahegelegen, die Werke von Bouvier und Vernet in einem zu veröffentlichen - wie in sämtlichen französischen Ausgaben, kritisiert er erboste Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2002

Fasziniert bespricht Hans Martin Hennig diesen Reisebericht von Nicolas Bouvier, der sich 1953 mit dem Maler Thierry Vernet in einem Fiat Topolino auf den Weg von Genf nach Afghanistan gemacht hatte. Der Rezensent stellt fest, dass sich in diesem Bericht verschiedene Gegensätze bedingen und sich gegenseitig zu einer großen Dynamik verhelfen. "Unmittelbarkeit und Erinnerung" vermischen sich ebenso wie Fremdes und Eigenes, die der Autor auf seiner Reise vollkommen neu entdeckt. Dazu kämen "Langsamkeit und Schwung", die dem Reisen wie dem Schreiben Rhythmus gäben. Auch mit Tonfall und Stil Bouviers zeigt sich der Rezensent mehr als einverstanden. Sein Bericht sei von Neugier und Aufgeschlossenheit geprägt, und trotzdem sei von Oberlehrerhaftigkeit keinerlei Spur. Zudem schreibe Bouvier unaufdringlich und mit großem stilistischen Geschick, so dass der Rezensent zum folgenden Fazit über die Reise und das Buch kommt: "Was für ein umfassender poetischer Entwurf, was für ein traurig schweres, was für ein notwendiges Programm."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001

Mit wenig Geld reisen, in einem alten Auto, von Europa bis nach Indien, "ausgesetzt wie ein Straßenhund und doch platzen vor Glück" - diese Art des Reisens ist aus der Mode gekommen, weiß Stefan Weidner. Der Journalist Nicolas Bouvier, 1929 in Genf geboren, 1998 verstorben, hat zusammen mit dem Maler Thierry Vernet eine solche Reise unternommen, die ihn im Jahr 1953 auch durch Afghanistan führte. Seine Reiseerlebnisse hat er aufgeschrieben. 1980 ist "Die Erfahrung der Welt" das erste Mal auf Deutsch erschienen, nun wiederaufgelegt und, meint der Rezensent, aktueller denn je. Die Strecke Queta-Kandahar-Kabul kennen wir aus der Berichterstattung über den aktuellen Afghanistan-Krieg, aus der Perspektive von Bouvier - wahrgenommen in einem mit 30 km/h dahinzockelnden Fiat Topolino - ist sie Weidner vorgekommen, als hätte hier jemand die Welt verzaubert. Der Autor hat seine Erlebnisse ohne Urteil oder gewagte Interpretationen beschrieben. Allein deswegen, ist sich Weidner sicher, wird er postum mit dieser Veröffentlichung noch viele Leser finden.