Ob Löwe, Meise oder Schmetterling, ob Hund, Katze oder Schwein: Sowohl Wildtiere als auch Haustiere können sich überraschend gut an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Kakadus haben gelernt, Mülltonnen zu öffnen, um an Nahrung zu gelangen; Schweine können ihre Artgenossen mithilfe schlauer Tricks aus der Gefangenschaft befreien. Doch so faszinierend diese Beispiele auch sein mögen, die Anpassung hat ihre Grenzen. Wildtierbestände schrumpfen, Arten sterben aus, und Haustiere in der Landwirtschaft und im Heimtierbereich erfahren massives Leid. Die renommierten Verhaltensforscher Norbert Sachser und Niklas Kästner erläutern auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, wie durch Flächenverbrauch, eingeschleppte Arten und Klimawandel der Lebensraum von Wildtieren in dramatischem Ausmaß verändert wird und wie Haustieren durch extreme Haltungsbedingungen und fragwürdige Zuchtziele ein Leben geboten wird, das ihren komplexen Bedürfnissen in keiner Weise gerecht wird. Was können, was müssen wir jetzt tun für die Welt der Tiere?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Für den Rezensenten Kai Spanke läuft das Buch der Verhaltensbiologen Norbert Sachser und Niklas Kästner auf keiner Seite Gefahr, zum Nature Writing oder Anekdotenschatz zu werden. Die Autoren zeigen laut Spanke anhand von Forschungsergebnissen, wie der Mensch dem Tier zusetzt, nicht nur den Nutztieren, sondern auch Katze und Hund, etwa mit Züchtungen und Fehlhaltung. Allerdings bietet der Band laut Spanke nicht nur Hiobsnachrichten. Was Tiere bei der Anpassung an veränderte und schwierige Lebensbedingungen so alles leisten, erfährt der Leser auch, freut sich Spanke. Leicht lesbar ist das Buch auch noch, freut er sich.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.03.2026
Mit Gewinn liest Rezensentin Susanne Billig die fundierte Analyse der zwei Verhaltensbiologen Norbert Sachser und Niklas Kästner über die Verhaltensänderungen, die das Anthropozän in der Tierwelt auslöst. Die Autoren fächern dabei positive wie negative Beispiele auf: von Nachtigallen, die es sich aufgrund des lauten Verkehrs angewöhnt haben, lauter zu singen und atlantischen Killifischen, die genetisch resistenter gegen stark verschmutzte Gewässer geworden sind bis hin zu Insekten, die reflektierende Autooberflächen für Wasser halten und ihre Eier dort ablegen ist alles dabei, zählt die Kritikerin auf. Dennoch überwiegen in den ausführlich erläuterten Ergründungen der Biologen leider die unter den menschlich gemachten Anpassungen leidenden Tiere, stellt Billig fest. Spannend ist dabei, dass die Autoren auch Nutztiere in ihre Überlegungen und Lösungswege miteinbeziehen, wenn sie unter anderem für veränderte Schutzprogramme und Zuchtziele für Schweine und Hühner plädieren, bemerkt die Rezensentin.
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