Verbrecher Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783957326515 Broschiert, 128 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Während die Diskussionen um Antisemitismusdefinitionen immer unzugänglicher werden, hat die Ideologie in ihrer öffentlichen Wahrnehmung nichts von ihrem Rätselcharakter verloren. Die Bestimmung und damit die Bekämpfung von Antisemitismus werden durch zahlreiche alltagspraktische wie akademische Mythen erschwert: Antisemitismus wird unter Rassismus subsumiert, zum Vorurteil gemacht, als Aspekt gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gelesen oder zum Wahn erklärt. Obwohl diese Deutungsversuche etwas treffen, reduzieren sie Antisemitismus doch immer nur auf einen Teilaspekt. In "Antisemitismus definieren" machen der Sozialphilosoph Nikolas Lelle und der Sozialpsychologe Tom Uhlig diese Mythen produktiv. Sie fragen nach ihrer subjektiven und gesellschaftlichen Attraktivität, und arbeiten ihren wahren Kern heraus, um einen Antisemitismusbegriff zu gewinnen, der dem Gegenstand gerecht wird.
Nicht erst der 7. Oktober 2023 hat Rezensent Daniel Burghardt gezeigt, wie schwierig es ist, Antisemitismus zu definieren, schon weit davor haben die beiden Autoren an diesem Band gearbeitet, der sich dem Thema in Vignettenform nähert. Eine möglichst ausdifferenzierte Antisemitismus-Definition läuft Gefahr, die realen Opfer aus den Augen zu verlieren, eine abstraktere bleibt unterbestimmt, lesen wir, es ist demnach gar nicht verkehrt, dass die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) ihre Begriffsbestimmung als "Arbeitsdefinition" bezeichnet. Mit Blick auf Adorno schlagen die beiden Autoren vor, Antisemitismus auch über das zu definieren was er nicht ist, über "die Summe der ausgeräumten Missverständnisse" kommen sie dem Begriff näher, verrät Burghardt. Die Vignetten, die von den Ausführungen Freuds bis zu denen der Kritischen Theorie reichen, sind für den Kritiker anschaulich, gut erklärt und die beiden Autoren zeigen Haltung.
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